Wahltag, Urlaub, Abschied, meine letzte Woche

Dieser Tage finde ich kaum mehr die Zeit kurz etwas an Euch zu schreiben, denn ich war sechs Tage im Urlaub und nun hat meine letzte Woche begonnen. Es stehen noch einige Arbeiten fuer SPCC, organisatorische Dinge (exit-clearance, Sachen heimschicken) und der Abschied von meinen Freunden und den Leuten in der Gemeinde an.

Was war die letzen Wochen: Am 10.Mai haben Lokal- und Nationalwahlen stattgefunden. Ich habe als Freiwilliger zahlreiche „vorbereitende“ Meetings gehabt und am Wahltag bei der Zuteilung der „precinct numbers“ geholfen. Bei dieser Aufgabe gebe ich den Wählern eine Nummer, die ihnen sagt, in welches Zimmer sie zum Waehlen gehen koennen. Anfangs musste ich ca. 50% „wala“ (~ nicht da) sagen, gegen Ende hin konnten wir mit Ergänzungslisten, die bis dorthin gefehlt haben, ca 80% der Leute ihre Nummer geben. Was ist nun mit dem Rest? Haben Sie sich nicht registriert, haben mit uns die falsche Stelle angelaufen? Ich weiß es nicht, aber einen undemokratischen Eindruck hat es sicher gemacht. Dass wieder viele Stimmen gekauft wurden verwundert auch. Zum Glück gab es aber nicht so viele Probleme bzw Manipulation mit den Wahlcomputern, wie man anfangs befürchtet hat. Bürgerkriegsszenarien waren unzutreffend, aber bei verfeindeten lokalen Parteien gab es bei Auseinandersetzungen mehrere Tote.

Die Zeit um den Wahltag herum war ich das erste mal hier wirklich krank, mein Magen hat sich umgedreht und seitdem habe ich immer wieder einen Ausschlag, der unheimlich juckt- keine Ahnung gegen was ich allergisch bin. Sarah, die andere Freiwillige, die bei mir gelebt hat, hat nun eine neue Stelle. Mit ihr und anderen Freiwilligen habe ich in letzter Zeit einiges unternommen- es ist shcade, dass ich erst jetzt ein Netzwerk von Freiwilligen aufbauen konnte….

 

Urlaub auf Negros und Bohol: Mit Kathi, einer Freiwilligen, und ihren Eltern war ich gemeinsam im Urlaub.

Auf Negros habe ich einen traumhaften Wasserfall gesehen (ein quasi symmetrisches Becken, 40 Meter hoch) und war im Twin Lakes Nationalpark. Bei letzterem habe ich eine Schlange und Schmetterlinge, richtigen Urwald und natürlich traumhafte Seen gesehen, das bekannte Stachelschwein wollte sich aber nicht zeigen. Beim Tauch auf Apo Island (international bekannt) befürchtete ich zuerst keine Wasserschildkroete zu sehen. Beim dritten Tauchgang fanden wir eine90cm Große in einer Hoehle. Sie ist dann über meine Schulter herausgeschwommen. Die Korallen dort sind traumhaft. Bei einem Drift-dive an einer Wand bin ich bis auf 30Meter hinunter- das erlaubt mein Schein eigentlich nicht, aber ohne Computer habe ich kaum Überblick über die Tiefe und mein Körper verträgt den Druck gut. Beim Schnorcheln am Strand habe ich auch nochmal tolle Corallen und eine Schildkröte gesehen. Dann waren wir auch noch in einem sehr luxuriösem Resort untergebracht und trotz meinem damit verbundenem schlechten Gewissen, war damit schon sehr viel Erholung und Naturkontemplation erreicht.

Auf Bohol waren wir auf Panglao untergebracht. Dort ist gut die Helfte der Leute weiß- teils ansäßig, der Rest Touristen. Entsprechend touristisch ist es dort auch (Preise, Dichte der Restaurants und Dive Shops). An erstem Tag war ich Tauchen (auf Balicasag Island; Schildkröten, einen Bracudaschwarm und viele Zierfische gesehen) und Schnorcheln wohl 6-7 Stunden mit dem Kopf unter Wasser. Am 2. und gleichzeitig meinem Abreisetag (ich bin wg. Budget und Zeitmangel in Cebu früher abgereist) war ich nochmal schnorcheln. Dann habe ich mir einen Motorradfahrer angeheuert und runtergehandelt. Er hat mich zu den Chocolate Hills und dann in die Provinzhauptstadt gefahren. Ich saß 5,5 Stunden mit Reiserucksack aufm Motorrad, habe dabei viel mehr von der Landschaft gesehen als alle Touristen, die mit Bussen von Sight zu Sight gekarrt werden, konnte den Fahrer überzeugen, dass wir „offroad“ durch die Chocolate Hills fahren und habe so alles bekommen was man sich wünschen kann (…chmm nur keinen Helm).

 

Was liegt die nächste Zeit an:

Ich werde nun noch dein einen oder anderen Aschied in Cebu haben. Am 29.Mai fliege ich dann nach Manila, treffe ein paar Freunde und höre Bo Sanchez, einen weltbekannten Prediger an. Dann geht’s nach Tagaytay um dort die Salvatorianischen Padres zu besuchen. Von dort aus fliege ich am 4.Juni nach Ho Chi Minh City. Dort werde ich alleine die alte Hauptstadt, Hoi An und Nha Trang besichtigen. Zusammen mit einem Scalabrini Pater oder seinen Schülern werde ich auch HCMC selbst und die Gegend drumherum (Can Tho und die floating markets im Mekong Delta, Cuchi Tunnel, etc.) bereisen. Danach?

Gebucht ist ein Flug nach Bangkok am 16.Juni. Doch wie wird es in Thailand wohl in einem Monat aussehen? Mein Plan ist, Bangkok zu meiden und in den Nordosten und Norden zu reisen. Diese Gegenden sind aber die Gebiete in denen die meisten Rothemden leben- also ebenfalls Ausgangssperren, Ausnahmezustand, etc. Weiterhin wollte ich über den Mekong nach Laos und dort für gut eine Woche bleiben. In wie fern ich meine ursprünglichen –auf den Tag genauen- Pläne umsetzen kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ausschlaggebend für mich sind die Lage in Nordthailand sowie Kontakte und Kosten für andere Reiseziele in Südostasien (z.B.: Indonesien mit Bali). Wer praktische Infos hat, schreibt mir!

 

Wie/was fühle ich (mich) nun?

Ausser dem Ausschalg geht es mir gut. Ich genieße viele Gespräche mit den Leuten hier. Eine Frage, die fast immer kommt ist: „und wann kommst du wieder?“ Diese Frage beanworte ich immer mit „dughay gjud“ (sicher lange). Die meisten sind wirklich überrascht, dass ich noch keine konkreten Pläne habe bald wieder hier zu sein. Das zeigt mir auch wie sehr sie mich eben schon akzeptiert haben. Die Menschen, die ich meine, sind nicht mehr nur „hey joe, where are u going?“-mäßig drauf, sonder sie grüßen nur alltäglich. Bislang dachte ich immer „denen bin ich gleichgültig“, jetzt spüre ich, dass ich schlicht weg akzeptiert/Alltag bin.

Beim SPCC erwarten mich noch einigeComputer/ Videoarbeiten. Mit den Mitarbeitern ist der Kontakt nun wirklich gut. Sie erzählen mir endlich auch das meiste, was sie bislang nur hinter meinem Rücken miteinander auf Visayan ausgetauscht haben bzw. ich kann an den Visayan Gesprächen teilhaben. Wenn ich an die Büroarbeit denke, dann fühle ich „Ja, ich habe meinenDienst getan, ich kann gehen“. Bin ich unter ärmeren Leuten, denke an unsere Klienten, dann spüre ich: „Diesen Leuten könnte man so gut helfen. Warum kann ich nicht mehr für sie machen? Ich will mehr Zeit mit Ihnen verbringen…“

Ich muss nun sagen, dass ich ehrlich viel von den Philippinen gesehen habe. Es fehlt Palawan, ansonsten war ich in jeder Region. Auf Cebu und den umliegenden Inseln habe ich das meiste gesehen, aber ich war bereits in nordluzon und im süden auf Mindanao. So viel sind nicht alle Schwestern herumgekommen, normale Philippinos erst recht nicht. Nach den Reisen, Schwierigkeiten, die ich hier -teils auch mit mir selbst- hatte, und den vielen Begegnungen, fühle ich mich kaum bereit wieder nach Deutschland in den mehr oder weniger gesicherten, alten Sattel umzusteigen. Der Drang in die Welt ist groß. Diese Stimmung schließt aber nicht das Heimweh nach Familie, guten Freunden und Bekannten aus. Ich freue mich auf Euch!

Wann bin ich wieder da? Anfang bis Mitte Juli.

21.5.10 16:03

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