Sinulog, philipp. Bauwerk und ein bewegendes Projekt auf Cebu's Friedhöfen

Nach 30 Jahren Sinulog Festival ohne Regen, waren alle etwas verunsichert, als ein Tiefdruckgebiet an den vier Tagen vor dem diesjährigen Sinulog beinahe durchgehend Regen gebracht hat. (Zumindest war es mal angenehm kühl und stürmisch) Alle Novena Gottesdienste für Snr Santo Nino haben dennoch stattgefunden.

Ich war bei einem dabei und bin an einigen Stellen begeistert, an anderen Stellen des Gottesdiensts erschrocken gewesen. Man muss sich das vorstellen, wie ein Sportevent in einer Arena. Der Vorplatz der Basilica leert sich und neue Menschmassen dringen ein für den nächsten Gottesdienst. Es ist ein enormes Gedränge, trotzdem sind die Menschen freundlich zu einander und man kann die Vorfreude in Ihnen spüren. Schließlich „marschieren“ 25 Priester ein und werden von der Gemeinde bejubelt.

Bedenklich fand ich die eigentlich spirituelle Veranstaltung erst als gepredigt wurde, dass „unsere Verehrung Santo Ninos das einzige ist an dem wir uns festhalten können und wir bereit sind dafür zu sterben“. Gefolgt wurde der Ausspruch von einem Jubel, der mich an einen Hitlergruß erinnert hat. Alle schmeißen ihre rechte Faust im 45°Winkel nach oben und rufen „Viva pit senior“. Es handelt sich dabei nicht um 300 fanatische Gottesdienstbesucher, sondern um eine demagogisch gelenkte Masse von ca 5000.

Das Sinulog Festival hat regnerisch begonnen und trotz später einsetzendem Sonnenschein, ist es etwas hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Es waren eben die Hauptverkehrsadern abgesperrt und Hauptattraktion war eine ab 10.00 (geplant 8.30) startende Parade von Tanzgruppen zum Stadium von Cebu. Von dem was alle mir im Vorhinaus erzählt haben, dachte ich, dass die 2,3 Millionen Besucher des Festivals auch in einer Weise am Tanzen teilnehmen. War aber nicht so.

Ich habe die Parade mit einigen jungen Steyler Missionaren und ihren Freunden angeguckt, bin mit Strohhut auf dem Kopf zu verschiedenen Orten gelaufen,  zwischenrein wurde die pralle Sonne von starkem Regen unterbrochen. Nach Einbruch der Dunkelheit war dann nochmal Gottesdienst und Essen angesagt, bevor es zu einer Mall weiter außerhalb ging, weil es dort ein Feuerwerk gab. Schon vor 22.00 bin ich hin- und wieder eingenickt, ich war ja seit 6.30 auf den Beinen. Nach dem halb verschlafenen Feuerwerk konnten wir allerdings nicht mehr mit dem Jeepney zurück in die Stadt fahren (unvorstellbares verkehrschaos) und sind kurzerhand gelaufen. Um 1am bin ich heimgekommen.

Während es viel geregnet hat, haben sich die ersten Fehler mit der Höhe an der Straße gezeigt. An einer Stelle bildet sich eine Pfütze mit 4m Durchmesser. Zementiert ist nun fast alles. Der Kanal am Seitenrand besteht immer noch aus mehr Dreck (v.a. Plastik) und eingebrochenen Steinblöcken als aus ebenen Brocken, die den Kanal ordentlich abdecken. Ich war auch sehr überrascht, als eines Abends auf einmal die Geräusche eines Betonmischers zu vernehmen waren. Dieser hat nun zweimal Großeinsatz habt. Jeweils die Tage davor plätteten die Arbeiter die Erde, es hat geregnet und diese Arbeit musste neu begonnen werden, es fehlte Material zum Aufschütten, die Tricycadfahrer haben mit den Reifen wieder alles Material verteilt etc. Entsprechend dem philippinischen Character wurden viele Anwohner von den Arbeiten angesteckt und haben an ihren Häusern und Grundstücken Reparaturen durchgeführt. Anscheinend haben Sie auch das eine oder andere Mal auf den für die Straße gedachten Splitt und Beton zurückgegriffen.

Meine Arbeit im SPCC läuft diesen Monat wirklich besser als die Monate davor. Ich weiß wo die Kommunikationslücken der Schwestern liegen und wie ich an mehr Arbeit komme. Derzeit führen wir ja Umfragen in der neuen Gemeinde aus. Meine Verantwortung besteht unter anderem darin, die ausgefüllten Fragebögen nachmittags auszuwerten (am Laptop) und eine Präsentation der Daten zu erstellen. Mit der Präsentation stehe ich am Ende der Arbeitskette und wenn nichts ans Ende gelangt, habe ich eben auch davon unabhängige Sachen zu tun. Vormittags sind wir immer in unserem Gebiet unterwegs und führen die Umfragen durch. Vom mitschreibenden Assistenten für die eine Mitarbeiterin, bin ich sehr schnell zu einer eigenen Gruppe geworden und gehe so alleine von Haus zu Haus und halte die Interviews mit Ihnen auf Cebuano. Deutlich langsamer als die anderen bin ich nicht und meine Infos bekomme ich auch zusammen- auch wenn es manchmal schwierig ist, sobald mein Cebuano an die Grenze kommt und das Englischverständnis der Befragten zu klein ist. Manche wollen nicht interviewt werden, manche Frauen (v.a. die vielen stillenden Mütter) sind etwas beschämt, wenn auf einmal ein Weißer dort steht und sie Sachen fragt, wie „habt ihr hier eine Toilette im Haus?“,  “Wie viel verdient ihr Mann monatlich?“  oder „Was ist ihre Schulausbildung?“

Ich weiß nicht woran es liegt, aber seit ca. einem Monat haben die Kinder wieder eine Riesenfreude daran gefunden, sich mit mir zu unterhalten, mich zu grüßen, etc. Das ist überall so. In der Gegend bei mir, in der Schule der Salvatorianer, bei meinen Hausbesuchen….Die Kinder machen mir einfach eine Riesenfreude. Anders als Erwachsene freuen Sie sich auch immer über die Aufmerksamkeit, die ich ihnen schenke, und die Süßigkeiten, die ich immer in meinem Rucksack für sie habe und ihnen ab und zu gebe.

Besonders beeindruckt haben mich die Friedhofskinder von P. Max Abalos (Link!). Ihr findet Fotos von dort wieder auf Flickr. Ich glaube Sie beschreiben gut, was man vorfindet: Häuser, die auf Gräbern gebaut wurden, viel Müll, Baracken um einen herum und am Horizont trotzdem die Stahl- und Glashochhäsuer. Die Menschen sind entweder mit sich selbst beschäftigt oder ganz locker und freundlich, meine Cebuano- Kenntnisse kommen gut an. Man wird überhaupt nicht neidisch angeguckt- selbst wenn man eine Kamera auspackt und Fotos macht.

Trotz diesem guten Gefühl: P. Max hat mir eine ausführlich Beschreibung seiner Projekte und die Motivation dafür geschildert („integral evangelization" ) und meint dann am Ende zu mir: „Die Leben eben in einer anderen Welt!“  Ich muss schlucken und erkenne wieder einmal, dass man bei der Vielzahl von Menschen so was nicht mehr sagen kann. „Nein, wir leben in einer anderen Welt“, antworte ich. So fühle ich mich teilweise, wenn ich hier unter ärmeren Leuten bin. Auf der Welt gibt es mehr von Ihnen als von mir. Meine Bildung, Besitztümer, meine Haut- und Haarfarbe, Körpergröße….als das ist für sie besonders und für mich eigentlich Alltag. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass ich mit meinem Status einfach mehr aus der Reihe falle als Sie mit ihrem so einfachen Leben. Deswegen fühlen Sie sich auch nicht so als bräuchten Sie ein großes Mitleid oder Anteilnahme. Hilfe ist gegebenenfalls trotzdem willkommen.

25.1.10 11:53

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