Adolfo Generalo

Ich hoffe ihr seid alle gut im neuen Jahr angekommen! Mein Silvester verlief nicht besonders: Gottesdienst, Snack mit den Schwestern und Gemeindepfarrer, dann zu den Nachbarn, bei denen weit weniger Verwandte als angekündigt zum Essen und Karaokesingen waren, um 12.00 allgemein größtmöglicher Lärmpegel (alle drehen ihre Musik laut auf und/oder begeben sich zu ihren Fahrzeugen und lassen es mit Maximaldrehzahl dröhnen) und viele Böller, dann weiterhin Karaoke und ein bisschen trinken. Früh sind alle müde und ziehen sich zurück. Die Tage danach werden noch die sehr zahlreichen restlichen Böller in der Gegend losgelassen.

 

Der einzige Neujahrsbrauch, an dem ich auch teilgenommen habe: Balut essen! Balut ist ein beinahe fertig gebrühtetes Hühnerei. Man sieht also schon das Hühnchen, welches jedoch noch keine Knochen besitzt. Schaut widerlicher aus und klingt schlimmer als es schmeckt (ich wage es trotzdem ein bild hochzuladen. Wundert euch nicht, was aus dem Vegetarier in mir geworden ist, ich habe das gemacht, weil es zweifelsfrei zur philipp. Kultur dazugehört!)

 

Den Januar arbeite ich nun wieder beim SPCC, der NGO der Salvatorianer für Kinder und Frauen. Diese Woche habe ich deutlich mehr resonanz zu meinem Engagement gespürt und die Aufgaben sind in meinen Augen auch bedeutungsvoller. Wir arbeiten nun mit einer neuen Gemeinde zusammen, führen deswegen Umfragen –„census“- durch und später tippe ich die Ergebnisse im PC ab und fertige mit Excel und Word eine Präsentation an. Außerdem, darf ich seit meinem letzten Monat bei SPCC schon zunehmend oft Materialien einkaufen gehen. Beim Abtippen ist mir eine Familie untergekommen, die ihre acht Kinder als Namen den Geburtsmonat gegeben haben (z.B. „December&ldquo, und ein Mann namens „Adolfo Generalo“ :D

 

 

Nun noch ein paar Beobachtungen/Gedanken der letzten Zeit:

Familienhierarchie und Patriarchen existieren doch noch stärker als erst vermutet. Ich habe nun mehrmals mitbekommen, wie Eltern-v.a. Väter- die Pläne der erwachsenen Kinder durchkreuzen. Es ist nicht nur normal, dass der Vater vom Esstisch aus seine Tochter ohne bittenden Tonfall zum Bringen eines Glas Wassers abkommandiert und Ihnen das Vor-die-Tür-gehen verbietet, nein, er verschiebt auch Hochzeiten. Eine Hochzeit zu der schon eingeladen wurde, wird wegen dem „schlechten abnehmenden Mond“ zweimal jeweils um eine Woche verschoben. Bei knapp zwei Wochen vor ürsprunglichem Termin ist das auch sehr spontan.

 

Vetternwirtschaft: Die wenig qualifizierten Arbeiter an unserer Straße sind Freunde des Barangay Captain. Als ich in eine andere Stadt fahren musste um meine Fähre zurück nach Cebu zu bekommen, hat uns der Zubringer(kein Servicebus, sondern nur ein einfaches Jeepney mit 40min Verspätung) nicht im Hafen abgesetzt, sondern nahe seines Hauses vor dem schon befreundete Tricycadfahrer auf Kundschaft warteten.

 

Achtlosigkeit im Verkehr: Auf Leyte hab ich mal gezählt wie viele Leute sich ins Familienauto gequetscht haben: 14 Kinder und Erwachsene. Die allerwenigsten Besitzer eines Motorrads/-rollers sind auch Besitzer eines Helms.

 

Es ist paradox wie prüde die Philippinen allgemein sind und wie verführerisch die kleinen Kinder schon tanzen. Bei Aufführungen habe ich teilweise echt gedacht, dass diese Bewegungen nicht zu einer Weihnachtsfeier passen. Dass die Hüft- und Handbewegungen des kleinen Jungens in der befreundeten Familie ihm in der Schule gezeigt wurden, hätte ich auch nicht geglaubt. Dieses Tanzen passt gar nicht zu dem Fehlen von Sexualität oder Beziehungen in Fernsehen und Öffentlichkeit.

 

In einem Buch schildert T.C. Boyle wie mexikanische Flüchtlinge in Kalifornien illegal in der Natur leben und diese dadurch ganz zum Missfallen der ansässigen Kalifornier zerstören. Beim Besuch eines Paters bin ich mit seinen Novizen in den umliegenden Bergen gewesen. Die Leute, die dort Zuflucht finden, zerstören die Natur- u.a. Bananenstauden und Sternfruchtbäume- ähnlich wie die Mexikaner. Ich musste immer wieder an das Buch denken. Doch hier sind sie Flüchtlinge im eigenen Land- die Städte sind zu überfüllt zum Leben ohne Grund- und trotzdem sind es die Ausländer- wie ich und andere, die in den kühleren Berggegenden leben,- die sich wieder über die Umweltzerstörung der Mittellosen ärgern. In Buch und Realität handelt es sich um stark getrennte Gesellschaften.

Ich lese z.Z. ein Buch über Globalisierung (von Thomas L. Friedman, bislang empfehlenswert). Während ich über die services von UPS und den Beitrag zur rasanten Globalisierung aller Individuen lese und im Jeepney in Richtung Armutsgegend Alumnos fahre, überholt ein Auto von UPS. Ich lese von Callcentern und der Ausbildung der Angestellten zum Reden mit amerikanischem Dialekt. Was ist hier ein viel nachgefragter Job und was beinhaltet das Berufstraining? Callcenter und Amidialekt.

8.1.10 15:32

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