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Neue Handynummer und philippinische Vorweihnachtszeit

Bevor ich nun sehr verspätet noch etwas von der Vorweihnachtszeit berichte, hier wie versprochen meine neue Handynummer: 09166658675 (derzeit ist 01045 mit 8,1ct/min die beste Billigvorwahl)

In der philipp. Vorweihnachtszeit gibt es sicher genauso viele Weihnachtsfeiern wie in Deutschland. Allgemein haben sie hier einen deutlich höheren Stellenwert- die Leute schmeißen sich in ihre beste Kleidung.

In der Schule haben wir auch eine Weihnachtsfeier veranstaltet für die jede Klasse eine Aufführung vorbereitet hat. Zwei Klassen haben getanzt, zwei gesungen, eine Klasse hat eine moderne Weihnachtsgeschichte gespielt (mit vielen techn. Tricks, z.B. wurden die Stimmen aufgenommen und bloß abgespielt). Ich habe alle Klassen in der Vorbereitung auch begleitet. Zum Singen konnten die Lehrer und Ich sie schlecht animieren und beim Tanzen waren es immer dieselben, die nicht mitmachen wollten. Trotzdem haben mir die Vorbereitungen mehr Spaß gemacht, als die Geschichtenstunden, die eben für die Proben ausgefallen sind, und während der Feier haben alle schön mitgemacht. Danach gab es reichlich zu Essen, das die Familien mitgebracht haben. Puuh, das war ein Müllberg aus Plastikverpackungen und –besteck und bechern…..

In der philipp. Kultur ist es Brauch, dass Kinder und selten auch Erwachsenengruppen um Weihnachten herum von Haus zu Haus ziehen, singen und dafür- wie die Sternsinger- Geld oder Süssigkeiten bekommen. Da ich Anfang Dezember nur Süssigkeiten gegeben habe und die Kinder wohl lieber Geld bekommen hätten, hatte ich kurz vor Weihnachten Ruhe. Auf der Straße und in den Jeepneys hat man sehr oft „maayong pasko“ (Frohe Weihnachten)zugerufen und anschließend eine Hand hingestreckt bekommen.

Um Weihnachten und Silvester herum werden außerdem unglaublich viele Feuerwerkskörper angezündet. Das andauernde Geböller fängt allerdings schon ab ca. 6.12. an.

Ich habe außerdem einem pensionierten Niederländer, der eine Filipina geheiratet hat und in meiner Gegend wohnt, dabei geholfen 300 Pack Reis abzufüllen und dann an arme Familien auszugeben. Viel konnte ich ihm nicht behilflich sein, weil er auch noch die Schüler, die er finanziell unterstützt um Hilfe gebeten hatte. Die großen Reissäcke mit dem Aufdruck 50kg werden zum Transport und Verkauf immer wieder umgefüllt und beinhalteten alle nur ca. 40kg Masse- die philippinische Korruption.

Populärer als das Weggeben von Reis an ausgewählte Familien ist es am 1. Weihnachtsfeiertag Geld, Süssigkeiten oder andere Lebensmittel an die ärmeren die von Haus zu Haus ziehen zu verschenken. Da ich am 25.12. ja nicht da war, hab ich dem Besitzer meines Apartments eine große Tüte voll Süssigkeiten da gelassen.

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Pasko sa Leyte

Wer zum meinem Bericht über Weihnachten und meinen Urlaub noch Fotos sehen will oder sich die lange Erzählung sparen will; ich habe neue Fotos hochgeladen:

Am 24. bin ich in die Dämmerungsmesse mit den Schwester gegangen, habe so weihnachtlich wie es eben geht(Weihnachtstee und Stollen, so wie ein paar Süssigkeiten) mit Ihnen nach dem Morgengebet gefrühstückt und bin dann in mein Apartment und hab mich zur Abfahrt nach Maasin auf Leyte, wo die Gastfamilie meines philipp. Bekannten aus Dtl ein Haus hat, fertig gemacht. Für die Fahrt zum Hafen habe ich eine halbe Stunde gerechnet, bin eine knappe Stunde vor Eincheckzeit los und bin dann ins Schwitzen und in Aufregung geraten, weil ein verdammt riesiges Verkehrsaufkommen war. Die großen Straßen waren komplett zu. So war meine Rettung, dass ich mich inzwischen gut auskenne, vollgepackt durch den stehenden Verkehr in Richtung Hafen gerannt bin und gerade noch rechtzeitig mit Taxi auf kleinen Straßen angekommen bin.

Auf der Fähre hat mich dann eine neue Bekannte überrascht, die alleine lebt und wusste zu welcher Zeit ich mit welchem Schiff fahre. Da Sie Weihnachten nicht mit den Schwestern mit denen sie lebt feiern wollte, dachte Sie, dass Sie sich spontan bei mir anhängen kann. Obwohl ich die Gastfreundschaft der befreundeten Familie Silot nicht ausreizen wollte, hat diese Bekannte mit ihrem Hang zu „adventures“ weitere Bekanntschaften an Board gemacht und mir per Sms geschrieben, wie sie innerhalb von vier Tagen fast die ganze Insel gesehen hat.

Am 24. gab es außer einem Abendessen kein Programm bei Familie Silot, ohne Weihnachtsgefühle bin ich so um 22.00 ins Bett, denn am nächsten Morgen sind wir in den 4.30 Gottesdienst. Dann haben wir bei einer Tante groß zu Frühstück gegessen, Verstorbene aufm Friedhof besucht, sind zum nächsten Onkel haben uns mit Karaoke die Zeit bis zum nächsten Mahl vertrieben, danach wieder Karaoke, Snacks bzw. in Dtl. „Kaffeetrinken“. Anschließend sind wir in einer großen Gruppe aus Cousins und Cousinen zu zwei versch. Stränden gefahren, an denen wir allerdings nur Eintritt bezahlt, die Füße ins Wasser gehalten und Karaoke gesungen haben. Sehr schade, denn die Strände waren traumhaft schön zur Sonnenuntergangszeit.
Wieder „zuhause“ angekommen mit der ganzen Großfamilie im Gefolge, gab es ein kleines Abendessen. Danach sind wir mit viel Proviant weiter zur Weihnachtsfeier des Barangays (kl. Verwaltungseinheit im philipp. System). Die Familie Silot hat mich schon vorbereitet, dass ich dort wohl als besonderer Gast aufgerufen werde und dass man froh sein wird, wenn ich zum dem bereits vorhandenen Tanzprogramm von Schulen und Jugendgruppen des Barangays, einen deutschen Tanz oder eine sonstige Einlage beisteuern kann. So gab es dann nach ein paar allseits bestaunten Worten auf Cebuano einen Walzer. Familie Silot hat mir noch gesagt, dass es sich gehört als Gast noch eine Spende an das Barangay zu machen. Diese sollte ich der anwesenden Büroangestellten offiziell überreichen. Stattdessen hat sich allerdings der Barangay Captain gedacht, er fragt mich einfach mal nach der Spende und steckt sie sich dann äußerst wahrscheinlich in die eigene Tasche.

Am Tag darauf sind wir mit dem ganzen Familienclan und natürlich wieder reichlich zu Essen an den Strand gegangen. Der Strand hat so ziemlich dem entsprochen, woran man denkt, wenn man sich einen traumhaft abgeschiedenen Strand auf einer Karibikinsel vorstellt- nur der Sand war nicht so weiß und recht steinig. Nach dem großen Mittagessen, gab es dann ein paar Spiele, an denen aber mehr die Alten als die Jungen teilgenommen haben.

Tagsdrauf, waren dann nur noch zwei Familien im Haus Silot untergeberacht, mein Freund Teddy musste auch schon wieder zum Arbeiten (samstags und sonntags!) zurück nach Cebu. Am Sonntag sind wir noch in den außerhalb liegenden Park gefahren, sind zu einer Marienstatue auf einem Berg nahe der Stadt hinaufgewandert (nur 10Min) und waren an einem unspektakulären Wasserfall.
Mit Beginn der Arbeitswoche, war die Familie dann viel mit Vorbereitungen auf Silvester, eine Hochzeit in der Familie, etc. beschäftigt und es gab keine sowieso geplanten Ausflüge mehr, auf die ich selbstverständlich mitgehen konnte.
So habe ich geschaut, dass ich trotzdem noch etwas herumkomme und war unter anderem noch zweimal kurz zum Schnorcheln an einem der Strände, zu denen wir am 1. Weihnachtsfeiertag gegangen sind. Im Reiseführer habe ich gelesen, dass dieser Strand für die leicht zugänglichen Korallen berühmt ist.
Das erste Mal hatte ich Regen erwischt, es war kalt und die Wellen haben andauernd Quallen an den Körper gespült, die bei Hautkontakt einen starken Juckreiz auslösen. Trotz dieser Umstände hat mich die Vielfalt der Korallen und der so bunten Fische begeistert. 10 Meter weg vom lauten Strand, an dem die Filipinos wieder ihre Karaoke veranstalten, den Kopf unter Wasser gesteckt und schon ist man in einer ganz anderen Welt. Wenn man dann mal vier Meter oder so runtertaucht und sich alles genau anschaut, weiß man gar nicht mehr, wo man mit dem Bestaunen weitermachen wollte wenn man nach dem Luftholen wieder unten ist.
Am Folgetag hatte ich besseres Wetter, allerdings nicht viel Zeit und wieder keinen, der mit mir schnorcheln konnte. So habe ich allein die Sonne genossen und einen halben Herzkasper bekommen als ich nicht wie gehofft einen „ihotiki“ (versucht mal Bilder davon zu finden) gespäht habe, sondern zwei Meter von mir eine 1Meter lange, schwarz-weiß-geringelte Wasserschlange gesehen habe. Erst dann wurde mir bewusst, dass ich eine Wasserschlange an der Oberfläche beim Schnorcheln kaum bemerken werde und mit meinen Schwimmbewegungen unabsichtlich provoziere. Am Strand haben mir die anderen dann noch gesagt, dass diese Wasserschlange gifitg ist…. Hmm nja, vom Schnorcheln wird’s mich wohl trotzdem auch in Zukunft nicht abhalten!

1.1.10 08:09, kommentieren

Adolfo Generalo

Ich hoffe ihr seid alle gut im neuen Jahr angekommen! Mein Silvester verlief nicht besonders: Gottesdienst, Snack mit den Schwestern und Gemeindepfarrer, dann zu den Nachbarn, bei denen weit weniger Verwandte als angekündigt zum Essen und Karaokesingen waren, um 12.00 allgemein größtmöglicher Lärmpegel (alle drehen ihre Musik laut auf und/oder begeben sich zu ihren Fahrzeugen und lassen es mit Maximaldrehzahl dröhnen) und viele Böller, dann weiterhin Karaoke und ein bisschen trinken. Früh sind alle müde und ziehen sich zurück. Die Tage danach werden noch die sehr zahlreichen restlichen Böller in der Gegend losgelassen.

 

Der einzige Neujahrsbrauch, an dem ich auch teilgenommen habe: Balut essen! Balut ist ein beinahe fertig gebrühtetes Hühnerei. Man sieht also schon das Hühnchen, welches jedoch noch keine Knochen besitzt. Schaut widerlicher aus und klingt schlimmer als es schmeckt (ich wage es trotzdem ein bild hochzuladen. Wundert euch nicht, was aus dem Vegetarier in mir geworden ist, ich habe das gemacht, weil es zweifelsfrei zur philipp. Kultur dazugehört!)

 

Den Januar arbeite ich nun wieder beim SPCC, der NGO der Salvatorianer für Kinder und Frauen. Diese Woche habe ich deutlich mehr resonanz zu meinem Engagement gespürt und die Aufgaben sind in meinen Augen auch bedeutungsvoller. Wir arbeiten nun mit einer neuen Gemeinde zusammen, führen deswegen Umfragen –„census“- durch und später tippe ich die Ergebnisse im PC ab und fertige mit Excel und Word eine Präsentation an. Außerdem, darf ich seit meinem letzten Monat bei SPCC schon zunehmend oft Materialien einkaufen gehen. Beim Abtippen ist mir eine Familie untergekommen, die ihre acht Kinder als Namen den Geburtsmonat gegeben haben (z.B. „December&ldquo, und ein Mann namens „Adolfo Generalo“ :D

 

 

Nun noch ein paar Beobachtungen/Gedanken der letzten Zeit:

Familienhierarchie und Patriarchen existieren doch noch stärker als erst vermutet. Ich habe nun mehrmals mitbekommen, wie Eltern-v.a. Väter- die Pläne der erwachsenen Kinder durchkreuzen. Es ist nicht nur normal, dass der Vater vom Esstisch aus seine Tochter ohne bittenden Tonfall zum Bringen eines Glas Wassers abkommandiert und Ihnen das Vor-die-Tür-gehen verbietet, nein, er verschiebt auch Hochzeiten. Eine Hochzeit zu der schon eingeladen wurde, wird wegen dem „schlechten abnehmenden Mond“ zweimal jeweils um eine Woche verschoben. Bei knapp zwei Wochen vor ürsprunglichem Termin ist das auch sehr spontan.

 

Vetternwirtschaft: Die wenig qualifizierten Arbeiter an unserer Straße sind Freunde des Barangay Captain. Als ich in eine andere Stadt fahren musste um meine Fähre zurück nach Cebu zu bekommen, hat uns der Zubringer(kein Servicebus, sondern nur ein einfaches Jeepney mit 40min Verspätung) nicht im Hafen abgesetzt, sondern nahe seines Hauses vor dem schon befreundete Tricycadfahrer auf Kundschaft warteten.

 

Achtlosigkeit im Verkehr: Auf Leyte hab ich mal gezählt wie viele Leute sich ins Familienauto gequetscht haben: 14 Kinder und Erwachsene. Die allerwenigsten Besitzer eines Motorrads/-rollers sind auch Besitzer eines Helms.

 

Es ist paradox wie prüde die Philippinen allgemein sind und wie verführerisch die kleinen Kinder schon tanzen. Bei Aufführungen habe ich teilweise echt gedacht, dass diese Bewegungen nicht zu einer Weihnachtsfeier passen. Dass die Hüft- und Handbewegungen des kleinen Jungens in der befreundeten Familie ihm in der Schule gezeigt wurden, hätte ich auch nicht geglaubt. Dieses Tanzen passt gar nicht zu dem Fehlen von Sexualität oder Beziehungen in Fernsehen und Öffentlichkeit.

 

In einem Buch schildert T.C. Boyle wie mexikanische Flüchtlinge in Kalifornien illegal in der Natur leben und diese dadurch ganz zum Missfallen der ansässigen Kalifornier zerstören. Beim Besuch eines Paters bin ich mit seinen Novizen in den umliegenden Bergen gewesen. Die Leute, die dort Zuflucht finden, zerstören die Natur- u.a. Bananenstauden und Sternfruchtbäume- ähnlich wie die Mexikaner. Ich musste immer wieder an das Buch denken. Doch hier sind sie Flüchtlinge im eigenen Land- die Städte sind zu überfüllt zum Leben ohne Grund- und trotzdem sind es die Ausländer- wie ich und andere, die in den kühleren Berggegenden leben,- die sich wieder über die Umweltzerstörung der Mittellosen ärgern. In Buch und Realität handelt es sich um stark getrennte Gesellschaften.

Ich lese z.Z. ein Buch über Globalisierung (von Thomas L. Friedman, bislang empfehlenswert). Während ich über die services von UPS und den Beitrag zur rasanten Globalisierung aller Individuen lese und im Jeepney in Richtung Armutsgegend Alumnos fahre, überholt ein Auto von UPS. Ich lese von Callcentern und der Ausbildung der Angestellten zum Reden mit amerikanischem Dialekt. Was ist hier ein viel nachgefragter Job und was beinhaltet das Berufstraining? Callcenter und Amidialekt.

1 Kommentar 8.1.10 15:32, kommentieren

Sinulog na!

Sinulog ist das große Tanzfestival, das hier in Cebu zu Ehren des Senior Santo Nino veranstaltet und von Million Leuten- auch aus anderen Ländern- besucht wird. Senior Santo Nino ist eine Puppe, die Jesus als Kind darstellen soll. Kitschig, mit Krone aufm Kopf und von allen Katholiken verehrt und für jedes kleine „Wunder“ im Alltag gepriesen. Diesem Kult kann ich nichts abgewinnen.

Mitreisend wird der Höhepunkt des Sinulog-Festivals am nächsten Sonntag wohl dennoch sein. Es gibt wieder „Novena“-Gottesdienste- also täglich bis zu 10 Gottesdienste an den neun Tage vor dem Fest - und viele Tanzveranstaltungen.

Am nächsten Sonntag wird dann wohl ganz Cebu kommt gerammelt voll sein, so dass man in einem mehrere Kilometer großen Radius nicht mehr nach Downtown Cebu City reinkommt. In den Straßen wird dann getanzt.

Es gibt auch mehrere öffentliche Wettbewerbe und Paraden- an Farbenpracht wird’s nicht mangeln.

Letzten Sonntag habe ich mir mit einer anderen dt. Freiwilligen den Wettbewerb der Grund- und High-Schools angeschaut. Ein riesiger Aufwand mit all den Kostümen, etc. und bereits viele Menschen auf einem Fleck. Anfangs noch sehr schön anzusehen, nach einer halben Stunde, war es aber fast immer derselbe Auftritt nur von einer anderen Schule.

 

Ich habe mir übrigens nun einen Elektroherd und Töpfe besorgt und esse öfters bei mir anstatt bei den Schwestern. Viel habe ich noch nicht gekocht, großes wird es auch nicht, aber allein, dass ich aufwärmen kann ist schon eine Hilfe, wenn ich –so wie häufiger in letzter Zeit- abends noch zum Sporttreiben gehe. Meine Stromrechnung lag in den letzten zwei Monaten übrigens bei 13cent.

 

Als eine Beobachtung könnte ich Euch heute noch den sehr unterschiedlichen Umgang mit Alkohol auf den Philippinen bieten:

An Silvester lassen die Schwestern sich einen Mini-Schluck Wein eingießen, der weniger als ein Schnapsglas ausmacht. Eine Schwester möchte das Bier, das der Gemeindepfarrer trinkt, „probieren“ (als hätte sie in ihrem Leben noch kein Bier getrunken)und verhält sich anschließend wie ein kleines Kind.

Bei der Familie, bei der ich über Weihnachten war, haben 2 Erwachsene Kinder noch nie den Wein aus den jungen Kokosnüssen (Tuba) probiert. Von dem Tuba, das ich für alle gekauft habe, haben nur die Männer getrunken, aber auch nicht mehr als ein Glas.

In der Armutsgegend hier, ist es unter den Männern mit dem Trinken aber anders. Da gibt es das Scheinheilige nicht, da muss niemand durch seine Abstinenz seinen hohen gesellschaftlichen Stand markieren, sondern da setzen sich die Männer auch unter der Woche mal zum Trinken zusammen- teilweise auf die Straße. Trotz des Rituals, das jeder der Reihenfolge des Kreises folgend immer ein Glas leert, wird insgesamt deutlich weniger getrunken als in Deutschland.

 

Ein anderes kulturelles Ritual, ist es auf den Philippinen, seinen respekt für Menschen die älter sind als man selbst damit auszudrücken, dass man die hand des Älteren nimmt und auf die einge Stirn drückt. Diese Art des sich einen Segengeben lassens ist teilweise sehr stark verbreitet- v.a. bei Kleinkindern, die dann auf mich zukommen und rufen „bless ko, cuya max“.

Aber auch Erwachsene praktizieren das noch. In der oben wieder genannten Familie, haben sich alle Familienmitglieder nach dem Gottesdienst im Wohnzimmer versammelt, die Eltern saßen auf dem Sofa und die „Kinder“ (Ältester 29) haben sich auf den Boden gekniet und „ihren Segen“ abgeholt….

1 Kommentar 11.1.10 15:53, kommentieren

Sinulog, philipp. Bauwerk und ein bewegendes Projekt auf Cebu's Friedhöfen

Nach 30 Jahren Sinulog Festival ohne Regen, waren alle etwas verunsichert, als ein Tiefdruckgebiet an den vier Tagen vor dem diesjährigen Sinulog beinahe durchgehend Regen gebracht hat. (Zumindest war es mal angenehm kühl und stürmisch) Alle Novena Gottesdienste für Snr Santo Nino haben dennoch stattgefunden.

Ich war bei einem dabei und bin an einigen Stellen begeistert, an anderen Stellen des Gottesdiensts erschrocken gewesen. Man muss sich das vorstellen, wie ein Sportevent in einer Arena. Der Vorplatz der Basilica leert sich und neue Menschmassen dringen ein für den nächsten Gottesdienst. Es ist ein enormes Gedränge, trotzdem sind die Menschen freundlich zu einander und man kann die Vorfreude in Ihnen spüren. Schließlich „marschieren“ 25 Priester ein und werden von der Gemeinde bejubelt.

Bedenklich fand ich die eigentlich spirituelle Veranstaltung erst als gepredigt wurde, dass „unsere Verehrung Santo Ninos das einzige ist an dem wir uns festhalten können und wir bereit sind dafür zu sterben“. Gefolgt wurde der Ausspruch von einem Jubel, der mich an einen Hitlergruß erinnert hat. Alle schmeißen ihre rechte Faust im 45°Winkel nach oben und rufen „Viva pit senior“. Es handelt sich dabei nicht um 300 fanatische Gottesdienstbesucher, sondern um eine demagogisch gelenkte Masse von ca 5000.

Das Sinulog Festival hat regnerisch begonnen und trotz später einsetzendem Sonnenschein, ist es etwas hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Es waren eben die Hauptverkehrsadern abgesperrt und Hauptattraktion war eine ab 10.00 (geplant 8.30) startende Parade von Tanzgruppen zum Stadium von Cebu. Von dem was alle mir im Vorhinaus erzählt haben, dachte ich, dass die 2,3 Millionen Besucher des Festivals auch in einer Weise am Tanzen teilnehmen. War aber nicht so.

Ich habe die Parade mit einigen jungen Steyler Missionaren und ihren Freunden angeguckt, bin mit Strohhut auf dem Kopf zu verschiedenen Orten gelaufen,  zwischenrein wurde die pralle Sonne von starkem Regen unterbrochen. Nach Einbruch der Dunkelheit war dann nochmal Gottesdienst und Essen angesagt, bevor es zu einer Mall weiter außerhalb ging, weil es dort ein Feuerwerk gab. Schon vor 22.00 bin ich hin- und wieder eingenickt, ich war ja seit 6.30 auf den Beinen. Nach dem halb verschlafenen Feuerwerk konnten wir allerdings nicht mehr mit dem Jeepney zurück in die Stadt fahren (unvorstellbares verkehrschaos) und sind kurzerhand gelaufen. Um 1am bin ich heimgekommen.

Während es viel geregnet hat, haben sich die ersten Fehler mit der Höhe an der Straße gezeigt. An einer Stelle bildet sich eine Pfütze mit 4m Durchmesser. Zementiert ist nun fast alles. Der Kanal am Seitenrand besteht immer noch aus mehr Dreck (v.a. Plastik) und eingebrochenen Steinblöcken als aus ebenen Brocken, die den Kanal ordentlich abdecken. Ich war auch sehr überrascht, als eines Abends auf einmal die Geräusche eines Betonmischers zu vernehmen waren. Dieser hat nun zweimal Großeinsatz habt. Jeweils die Tage davor plätteten die Arbeiter die Erde, es hat geregnet und diese Arbeit musste neu begonnen werden, es fehlte Material zum Aufschütten, die Tricycadfahrer haben mit den Reifen wieder alles Material verteilt etc. Entsprechend dem philippinischen Character wurden viele Anwohner von den Arbeiten angesteckt und haben an ihren Häusern und Grundstücken Reparaturen durchgeführt. Anscheinend haben Sie auch das eine oder andere Mal auf den für die Straße gedachten Splitt und Beton zurückgegriffen.

Meine Arbeit im SPCC läuft diesen Monat wirklich besser als die Monate davor. Ich weiß wo die Kommunikationslücken der Schwestern liegen und wie ich an mehr Arbeit komme. Derzeit führen wir ja Umfragen in der neuen Gemeinde aus. Meine Verantwortung besteht unter anderem darin, die ausgefüllten Fragebögen nachmittags auszuwerten (am Laptop) und eine Präsentation der Daten zu erstellen. Mit der Präsentation stehe ich am Ende der Arbeitskette und wenn nichts ans Ende gelangt, habe ich eben auch davon unabhängige Sachen zu tun. Vormittags sind wir immer in unserem Gebiet unterwegs und führen die Umfragen durch. Vom mitschreibenden Assistenten für die eine Mitarbeiterin, bin ich sehr schnell zu einer eigenen Gruppe geworden und gehe so alleine von Haus zu Haus und halte die Interviews mit Ihnen auf Cebuano. Deutlich langsamer als die anderen bin ich nicht und meine Infos bekomme ich auch zusammen- auch wenn es manchmal schwierig ist, sobald mein Cebuano an die Grenze kommt und das Englischverständnis der Befragten zu klein ist. Manche wollen nicht interviewt werden, manche Frauen (v.a. die vielen stillenden Mütter) sind etwas beschämt, wenn auf einmal ein Weißer dort steht und sie Sachen fragt, wie „habt ihr hier eine Toilette im Haus?“,  “Wie viel verdient ihr Mann monatlich?“  oder „Was ist ihre Schulausbildung?“

Ich weiß nicht woran es liegt, aber seit ca. einem Monat haben die Kinder wieder eine Riesenfreude daran gefunden, sich mit mir zu unterhalten, mich zu grüßen, etc. Das ist überall so. In der Gegend bei mir, in der Schule der Salvatorianer, bei meinen Hausbesuchen….Die Kinder machen mir einfach eine Riesenfreude. Anders als Erwachsene freuen Sie sich auch immer über die Aufmerksamkeit, die ich ihnen schenke, und die Süßigkeiten, die ich immer in meinem Rucksack für sie habe und ihnen ab und zu gebe.

Besonders beeindruckt haben mich die Friedhofskinder von P. Max Abalos (Link!). Ihr findet Fotos von dort wieder auf Flickr. Ich glaube Sie beschreiben gut, was man vorfindet: Häuser, die auf Gräbern gebaut wurden, viel Müll, Baracken um einen herum und am Horizont trotzdem die Stahl- und Glashochhäsuer. Die Menschen sind entweder mit sich selbst beschäftigt oder ganz locker und freundlich, meine Cebuano- Kenntnisse kommen gut an. Man wird überhaupt nicht neidisch angeguckt- selbst wenn man eine Kamera auspackt und Fotos macht.

Trotz diesem guten Gefühl: P. Max hat mir eine ausführlich Beschreibung seiner Projekte und die Motivation dafür geschildert („integral evangelization" ) und meint dann am Ende zu mir: „Die Leben eben in einer anderen Welt!“  Ich muss schlucken und erkenne wieder einmal, dass man bei der Vielzahl von Menschen so was nicht mehr sagen kann. „Nein, wir leben in einer anderen Welt“, antworte ich. So fühle ich mich teilweise, wenn ich hier unter ärmeren Leuten bin. Auf der Welt gibt es mehr von Ihnen als von mir. Meine Bildung, Besitztümer, meine Haut- und Haarfarbe, Körpergröße….als das ist für sie besonders und für mich eigentlich Alltag. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass ich mit meinem Status einfach mehr aus der Reihe falle als Sie mit ihrem so einfachen Leben. Deswegen fühlen Sie sich auch nicht so als bräuchten Sie ein großes Mitleid oder Anteilnahme. Hilfe ist gegebenenfalls trotzdem willkommen.

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