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Wallfahrt auf halber Straße und philipp. Vorweihnachtszeit

Wie Pilger oder eine Masse Klimaflüchtlinge sah die Menschenmasse mit Stühlen in der Hand aus, der ich mich heute morgen um 4.10 angeschlossen habe. Es ging auf der noch fertigzustellenden Straße zur Kirche für die zweite Dämmerungsmesse, Beginn 4.30. Wer in der Kirche sitzen will muss um 3.00 da sein, ansonsten muss man seinen Stuhl mitbringen. Der große Kirchenvorplatz war komplett gefüllt, mir ist unvorstellbar wie gestern laut den Schwestern noch mehr Leute da gewesen sein können. Während dem langen Gottesdienst bin ich mehrmals eingenickt;( einmal bin ich entgeistert/verwirrt aufgewacht, als ich hörte, dass keinen Meter von mir ein Kind einfach auf den Boden pinkelt. Da stand es nun, pinkelt auf seine halbvolle Chipstüte am Boden und die Eltern und anderen Leute drumherum stört es nicht.)

Die Straße wurde nun endlich zum Teil zementiert. Nur langsam und Stück für Stück geht es vor sich. Es wird in der Mitte begonnen und nur eine Straßenseite gemacht, der Zementbelag liegt nackt, mit dem Straßenrand nicht auf einer Höhe und wie ein Spielzeugblock auf dem Feldweg. Demnächst soll die Straße offiziell gesperrt und richtig fertiggestellt werden. Mich wundert, dass der Zementblock –also eine Fahrbahn- nicht breiter als 1,50 sein wird….

Ein paar Erlebnisse der letzten Wochen:

Mir ist nach einem Gespräch mit einem Jugendlichen aus der Nachbarschaft aufgefallen, wie oft schon leute „thank you for the talk“ zu mir gesagt haben…Es liegt vielleicht daran, dass man trotz „hey my friend“ und „hey joe, give me money“ doch noch ein respektvolles Bild von den weißen Westlern hat.

Außerdem wurde ich ca. 10mal in den letzten paar wochen ernsthaft gefragt, was man am besten unternimmt, wenn man in Dtl arbeiten will, sogar ob ich Freunde habe, die eine Frau suchen. Der Gedanke die Familie hinter sich zu lassen um besseres Geld zu verdienen scheint in vielen Köpfen zu sitzen.

Zwei Taufen habe ich miterlebt. Eine von einfachen Leuten. „Lechon baboy“ (Spanferkel) und Cola gab es trotzdem, einige Gäste waren im Gottesdienst. Nach dem Essen verschwinden die Gäste. Die etwas wohlhabenderen Nachbarn feiern ihre Hochzeit im Hotel. Alle werden in den Gottesdienst eingeladen, doch nur ich, ein Onkel und die Taufpaten kommen in die Kirche. Die Feier wird begeleitet von Videoke, bietet ein Buffet und wird von den gegenstandslosen Dankes- und Glückwunschreden zur reinen Feier für Erwachsene degradiert. Das Kind steht nicht im Vordergrund, das Essen, Singen und das Trinken danach sind wichtig.

Geschenke zu Weihnachten: Die Schwestern geben einen trockenen Bananenkuchen, bei dessen zu Bereitung ich viel mitgeholfen habe, an ihre Spender. Manche bekommen auch ein „daily gospel“-Buch. In der Gemeinschaft wird sich gegenseitig gewichtelt (ich bin auch dabei). Das Besondere ist, dass man auf einen Zettel an der Pinnwand seinen Wunsch schreibt und der Preis des Geschenks von allen vorher festgelegt wird. Unter allen die in der Schule(ich inklusive) oder im SPCC arbeiten wird es genauso gemacht. Mich hat überrascht, dass ab und zu „cash“ als Wunsch eingetragen wird. Die Geschichte ist so profan und hat wirklich kaum persönliche Dimension.

Meine Weihnachtsferien beginnen am Sonntag. Ich werde wohl am 24.Dec oder 25. mit der Fähre nach auf Leyte(andere Insel) fahren und damit der Einladung von der Gastfamilie meines philippinischen Freundes folgen (Leider ist es mit den terminen und Schiffsverbindungen ein Chaos, das zu täglich Planänderungen/ updates zwingt). Diese Familie hat drei Erwachsene Kinder (alle über 25) und ist so extrem gastfreundlich….das zeigt sich auch darin, dass ich ihre „boarding students“ als weitere Familienmitglieder gehalten habe. Einer dieser „boarding students“ hat schon immer so auf schwul gemacht und ich dachte es wäre seine Art Witze zu machen. Ist es aber nicht. Ich habe gemerkt, dass es eigentlich überhaupt nicht komisch ist mit ihm umzugehen. Allerdings ist er wohl eine Ausnahme. Auf den Philippinen gibt es viele Schwule und die meisten sind so tuntig. Sie reden mit einer so hohen, quickenden Stimme, lassen sich nur mit „Schwester“ anreden und ziehen sich so professionell wie Weiber an, dass man sich auf den ersten Blick nicht als „bakla“ oder „bayut“ erkennt.

Auf Leyte werde ich ca. 5 Tage bleiben, ich freue mich auf die Zeit. Silvester werde ich erst bis um kurz nach zwölf mit den Schwestern und dann mit meinen Nachbarn feiern. Im neuen Jahr werde ich evtl einen neukennengelernten Pater besuchen. Ansonsten ändern sich alle weiteren Verabredungen wieder ständig, werden mir abgesagt bzw verschoben oder nicht konkretisiert. Die Schwestern sagen mir, dass „ihr Weihnachten“ der Abend der 24. ist und ich davor und danach verreisen soll, weil auch drei der sechs Schwestern Urlaub haben. Zudem lässt mich die Undankbarkeit bzw Gleichgültigkeit für die deutschen Süßigkeiten, die ich ausschließlich mit ihnen teile (ich setze auch öfters an dt. Bräuche zu erklären, spüre aber kein Interesse), befürchten, dass Herzlichkeit untereinander bzw mir gegenüber auch an Weihnachten Mangelware sein wird. Arbeit gibt es keine. Ich bin etwas enttäuscht darüber, dass mir keine Wahl bzgl der Arbeit bleibt, denn 2 Wochen sind mir viel zu viel, wenn ich sie nicht ausnutzen kann.

Nun möchte ich zum Schluss nochmal auf die Links auf der linken Seite hinweisen. Wer sich bei Flickr.de mit einer Yahoo Live-Id anmeldet und mich als Freund auf Flickr addet, der kann auch "private Fotos" von der Wohngegend hier, Mitarbeitern und meinem Apartment sehen (solche Fotos sollen auch nach dem Vertrag über meinen Einsatz nicht öffentlich gemacht werden. man kann auch schlecht abschätzen, in wiefern sich die Leute hier damit wohl fühlen). Das Anmelden dauert nicht länger als fünf Minuten.

Ich hoffe die schlechten Nachrichten aus Kopenhagen über die Sturheit unserer Menschheit trüben euren Advent nicht (seid ihr Bürger von Hopenhagen, sagt tcktcktck und unterzeichnet schön viele Petitionen?!Ich schon) und Euch geht es allen gut. Stresst euch und andere nicht.

 

Bis bald und ganz liebe, adventliche Grüße;

Max

 

17.12.09 15:22, kommentieren

Wer sich helfen lässt, wird ausgeraubt

Ich bin schon viel bei Dunkelheit unterwegs gewesen, war in Stadtteilen von denen man mir abgeraten hat und bin nachts Jeepney gefahren. All das mach ich mit Selbstbewusstsein, passe gut auf, lass mir so wenig wie möglich helfen und mir ist nichts passiert.

Anders heute: Ich habe Hilfe angenommen.

In einer mir vertrauten Straße bei Dunkelheit, konnte mein Jeepney nicht durchkommen, weil die Straße mit Verkaufsständen vollstand. Ich wusste nicht welche Umleitung das Jeepney wohl nehmen wird und habe mir gedacht, ich stelle mich ans Ende der Umleitung. Doch das Jeepney kam nicht und so habe ich einen der Verkehrswächter gefragt. Der deutet in eine andere Straße und die Person, mit der er sich zuvor unterhalten hat (er hatte auch eine Art Uniform an), bedeutet mir mitzukommen.

Dieser Mann in Hemd und mit Handy in der Hand läuft auf ein stehendes Jeepney zu und meint damit würden wir zum „08G“ (mein Jeepney) kommen. Er steigt aufs Trittbrett, geht dann aber nicht ganz ins Innere, so dass ich auf dem Trittbrett stehen bleiben muss. Zwei Männer springen von hinten noch schnell aufs Trittbrett und das Jeepney fährt los. Die Männer drücken mich mit ihren Körpern mit einigen Stößen nach vorne – ich denke, weil sie nicht genügen Platz auf dem Trittbrett haben. Ich bin mit Ihnen maximal drei Sekunden auf dem Trittbrett, weil im Inneren jemand dem Fahrer zuruft er soll anhalten. Bei der Gelegenheit drücke ich die Männer genervt bei Seite und steige vom Trittbrett ab (ich habe erwartet einer wird aus dem Inneren kommen). Der Mann, der mich zum Jeepney gebracht hat, ruft mir zu „no 08G“ und ich bleibe auf der Straße stehen, während das Jeepney wieder losfährt- schließlich weiß ich selber, wo mein Jeepney noch lang fährt.

Mich beschäftigt diese Situation eigentlich gar nicht weiter, sie passt zum philipp. Alltag. Doch im selben Moment denke ich daran routinemäßig beim Aussteigen vom Jeepney nach meinen Wertsachen in der Hosentasche zu tasten. Die Tasche ist aber quasi leer.

Mein Handy und einen Notizzettel haben die Männer in den zwei Sekunden aus der Hosentasche geklaut. Mein Geldbeutel ist noch da. Wahrscheinlich hätten sie ihn aus der weiten Hosentasche meiner Sporthose (ich kam vom Badminton) auch geklaut, hätte ich sie nicht von mir weggedrückt.

Der Mann, dem ich gefolgt bin, muss gesehen haben, dass ich ein Handy in die Hosentasche gesteckt habe, dann habe ich mich als unerfahren geoutet, weil ich als Weißer eine Auskunft von einem Fremden erfragt habe, ich hab eine Sporthose mit weiten Taschen an und folge ihm und er weiß um seine zwei Komplizen- eine optimale Möglichkeit und alles geht verdammt schnell.

Nun kann ich trotz aller Wut froh sein, dass ich nie unnötig große Geldbeträge bei mir habe, Geldkarten immer in schwerer zugänglichen Taschen habe und meinen Schlüssel immer mit Karabinerhaken innerhalb meiner Hosen trage. Wichtige Telefonnummern schreibe ich mir auch separat  nochmal auf, falls eben mal das Handy geklaut wird. Trotzdem muss nun schnell ein neues Handy her!!Ärgerlich! Ohne diese Erfahrung hätte ich auch leben können.

Meine neue Nummer schicke ich Euch dann demnächst.

18.12.09 16:31, kommentieren