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Das Internet funktioniert im Moment und das muss ich nutzen um Neues zu berichten, denn die letzten Tage vor und nach dem Typhon, der den Norden recht heftig erwischt hat, hatte ich immer wieder mal eine Verbindung für ein paar Sekunden, dann war das geringe Signal auch wieder für unvorhersehbar lange Zeit weg.

Damit habe ich auch schon allen geantwortet, wie sehr ich vom Unwetter, das es neben al-Quaida und Westerwelle in die Nachrichten geschafft hat, betroffen bin. Es kommt lediglich noch hinzu, dass es viel bewölkt ist und häufig schauert- verglichen mit dem Tod oder einem Wohnzimmer einen Meter hoch mit Wasser gefüllt ist das Garnichts.

 

Am Montag habe ich mein Visum verlängern lassen. Im Voraus habe ich zusammen mit einer Schwester den Aufwand betrieben alle notwendigen Papiere für ein Arbeitervisum zu besorgen. Im Bureau of Immigration waren Sie auch seltsamerweise kooperativ- jedoch nur, weil man ausser dem Arbeitsvisum noch das reguläre Touristenvisum benötigt, sprich weil es die reine Geldmacherei ist! Also war wieder aller Aufwand umsonst und ich bleibe weiterhin einfacher Tourist, der spätestens alle zwei Monate eine kostspielige Verlängerung benötigt.

 

Anschließend war ich nochmal in Cebu um ein Paket nach Deutschland aufzugeben und verschiedene Kleinigkeit zu erledigen. Pakete sind entweder über 3 Monate mit einem Schiff auf dem Weg oder werden versichert geflogen. Es gibt also quasi nichts zwischen „schnell und verdammt teuer“ und „einfach und zuverlässig“. Um den Schalter des Postamts zur Straße hin standen so viele arme Leute und ich habe nicht nur einen riesen Kloß im Hals sondern auch einen Krampf im Bauch bekommen, als der Inhalt meines Pakets dann über 20€ kosten sollte. Ein Bauarbeiter steht für dieses Geld 6 Tage lang in der Sonne und schuftet (so sehr man das philipp. Arbeiten Schuften nennen kann)!

Anschließend will mir nichts mehr gelegen kommen. In der Straße stinkt es, ich werde viel angebettelt, ein Pater, den ich kurz treffen wollte ist nicht da und der Straßenrand ist mit blauer, weißer und roter Farbe gefüllt. T-Shirts werden eben direkt am Straßenrand bedruckt und die aggressive Farbe wird direkt auf den „Bürgersteig“ gekippt. Ich will kein Geld mehr ausgeben, mache mir Sorgen um mein Erspartes und bin von den Warteschleifen überall genervt, so dass ich ausgewählte Waren kurz vor der Kasse stehen lasse und mich schließlich auf den Heimweg mache. Nochmal ändere ich meine Meinung, allerdings nur kurz, dann bin ich schon wieder genervt und steige in den nächsten Jeepney nachhause. Ich hätte etwas länger warten sollen: der Fahrer war ungefähr 80 Jahre alt und ist auch so gefahren. Er hat überall einfach so mal gestoppt und wenn er andere am Straßenrand stehende Jeepneys überholen wollte, dann haben diese ihn noch beim Wiederanfahren überholt.

 

 

Ein kulinarisches Erlebnis kann ich dieses Mal auch wieder los werden:

Meine Nachbarin hat den Geburtstag ihrer Tochter wie einen Erwachsenen Geburtstag mit viel Bier, vielen versch. Gerichten und Karaoke gefeiert. Ich habe neben dem Spanferkel, das ja bei allen Fiestas Standard ist, einen sehr guten Fruchtsalat und etwas Creme-Caramel-ähnliches gegessen. Dann deutet meine Nachbarin auf etwas das ich für einen Schokoladenpudding halte und ist schon dabei mir auf zu tun: Ich schmecke Blut, dann spüre ich Klumpen zwischen meinen Zähnen, es schmeckt sehr fettig und wie ich das grinsende Gesicht der Nachbarin sehe, schlucke ich schnell herunter. „Pig‘s blood. Lami (lecker)?“. NEIN überhaupt nicht lecker. Dugo-dugo (dugo = Blut), also Schweineblut mit den Innereien des Schweins gemixt, ist hier eine Delikatesse…..

 

 

Ich arbeite den Oktober wieder im Kindergarten. Ein Orientierungsgespräch mit der leitenden Schwester hat mir geholfen zu verstehen, dass meine Anwesenheit für die Kinder, die häufig nur einen Elternteil oder mit Arbeit übermäßig stark beschäftigte Eltern haben, sehr viel wert ist. Arbeiten in dem Sinne, dass ich Unterricht vorbereite, kann ich wohl vergessen. Viel mehr werden auf mich noch Arbeiten wie Ausschneiden und Ausmalen von Unterrichtsmaterialien zu kommen. Die meiste Zeit werde ich im Klassenzimmer verbringen und eben dort helfen wo es geht und mit meiner Aufmerksamkeit und den kleinen Hilfen und Gesten den Kindern etwas geben, das für ihre Entwicklung sehr wichtig ist. Außerdem ist meine tatkräftige Hilfe beim Auf- und Abbauen für alle möglichen Events in der Schule sehr willkommen und auch benötigt.

 

In dieser Woche war ich zweimal Badminton spielen. Ein richtiges Training konnte ich nicht halten und werde ich wohl auch nie- letztendlich ist auch ein Spieler im Team besser als ich. Es ist aber wichtig, dass die Spieler (8.Klasse) jemanden haben, der dort ist und etwas Regelmäßigkeit mitbringt. So werden in Zukunft nicht alle möglichen Wettkämpfe und Trainingseinheiten nicht besuchen, weil sie ihren Schläger vergessen oder den Termin vergessen, sondern dem Team und mir zuliebe kommen.

 

 

 

Dieses Wochenende werde ich ein Treffen aller möglichen Jugendgruppen und sozialengagierten Gruppen zum Beginn des Kindermonats Oktober mit dem Staff des SPCC besuchen. Außerdem ist das Fiesta der Gemeinde am Sonntag.

 

Ich wünsche Euch ein schönes, herbstliches Wochenende, an dem ihr Zeit habt auf das Resultat der BT-Wahl klar zu kommen

 

1 Kommentar 2.10.09 09:41, kommentieren

“ Christmas starts when the „ber“ is already there “

 

Ber steht für das Suffix „ber“ bei den Monaten September, Oktober, November und Dezember. Soll heißen: Am 1.September haben mir die ersten Leute schon frohe Weihnachten gewünscht – ich habe das mehr für einen Joke gehalten-, letzte Woche verabschieden sich die Schwestern von ihren Gastgebern mit dem Satz „Merry Christmas and have a happy new year“ und ich höre in den Kaufhäusern bereits Jingle Bells, Rudoplh the rednoses…, santa claus is coming… Getoppt wurde das davon, dass seit Mittwoch der Vorhof zum Apartment stets hell erleuchtet ist von der grün, blau und roten Weihnachtsbeleuchtung meiner direkten Nachbarn. Ihre Wohnung ist mit Tannenzapfen, zwei künstlichen, sich drehenden Bäumen, Lichterketten und Girlanden geschmückt. Der Vermieter musste daraufhin gleich nachziehen.

Nun gut, das passt wohl zur der großen Neigung der Philippinos alles groß zu feiern- bzw. für alles sich groß vorzubereiten. Komisch ist nur, dass Dauer und Intensivität der Feierlichkeiten in keiner Relation zu den Vorbereitungen/ Beschreibungen stehen (d.h.: viel weniger los als erwartet). Das ist bei den zahlreichen Fiestas der Kirchen hier nicht anders.

 

Zu so einem Fiesta war ich heute wieder eingeladen. Nachdem Gottesdienst gibt es dann eben was zu Essen- für die Gemeinde kleine Rationen gegen den Kauf eines Tickets, für die hohen Leute und speziellen Gäste ein kostenloses Buffet im abgesondertem Raum. Als so ein besonderer Gast mit Kontakt zum Priester durfte ich heute, nach dem Kardinal und Bischof sich mit einem Fotoshooting verabschiedet hatten, in einem klimatisierten, abgeschotteten Raum mit kleiner Band speisen. Alles hat wirklich mal super geschmeckt und es war sogar mal etwas scharf dabei, nur das Bewusstsein einer besseren Behandlung/Versorgung hat mir nicht so geschmeckt.

 

Gestern bin ich –nachdem die Verabredung mit dem Vater meiner Nachbarin zum Tauchen leider geplatzt ist- mit dem SVD- Superior Fr. Heinz aus Deutschland zu einem seiner Projekte auf die Müllkippe. Auf allen 4 Müllhalden in Cebu leben zusammen 5000 Menschen. Wer sich denkt, dass Unicef für seine Spendenaufrufe Fotos stellt, indem Sie ein vor Dreck und Ruß schwarzes und verkrüppeltes Kind zeigen, dass mitten im Müll sitzt, riesen Kulleraugen hat und nicht laufen kann: Nein, diese Fotos sind Realität für nicht Wenige!

Fr. Heinz ist Pragmatiker und sehr erfahren. Auf der Fahrt reden wir über andere Probleme hier in Cebu…zu viel um es hier zusammenzufassen. Erschrocken hat mich davon mit am meisten, wie hier die einfachen Leute in die Schuldenfalle geraten und sich ausbeuten lassen, weil sie keinen Weitblick und gleichzeitig viel Scham haben. Krass sind auch die Geschichten von den Straßenkindern, die mit zehn Jahren bereits gemordet haben, sich in Gangs zusammenschließen, andere Straßenkinder bekämpfen und quasi unzugänglich für Helfer sind. Sein Hinweis, dass das Problem der fehlenden Familienplanung und damit der Überbevölkerung genauso wie die omnipräsente Korruption zu Problemen meiner Generation gehören, hat mich kräftig schlucken lassen. Ohne konkrete Zahlen und Beispiele hört sich vieles so schön fern und unscheinbar an….

 

Mir geht’s gut. Es kommt immer mehr Routine bei mir herein. Die Arbeit im Kindergarten fällt mir leichter, ich habe qualitatives Essen (scharfes, wirklich asiatisches muss ich mir selber bereiten, z.b.: der Bicol Express, welcher nach zwei Stunden ein herrliches Sodbrennen schenkt) und ich freue mich auf meinen Urlaub in zwei Wochen. Es geht u.a. in die Gegend, in welcher diese Woche 200 Menschen von den Überschwemmungen bzw Erdrutschen getötet wurden….

Eine Person, mit der ich hier schon viel geredet habe und von der ich dachte, dass sie eine wirklich gute Ausbildung hat, war letztens überzeugt, dass Canada Nachbarland von Deutschland ist. Ich merke, dass ich den meisten Menschen intellektuell klar überlegen bin. Trotzdem lernt man auch auf der Straße…Bloß lernt man dort nicht über das Heute hinaus zudenken.

3 Kommentare 11.10.09 17:02, kommentieren