Wallfahrt auf halber Straße und philipp. Vorweihnachtszeit

Wie Pilger oder eine Masse Klimaflüchtlinge sah die Menschenmasse mit Stühlen in der Hand aus, der ich mich heute morgen um 4.10 angeschlossen habe. Es ging auf der noch fertigzustellenden Straße zur Kirche für die zweite Dämmerungsmesse, Beginn 4.30. Wer in der Kirche sitzen will muss um 3.00 da sein, ansonsten muss man seinen Stuhl mitbringen. Der große Kirchenvorplatz war komplett gefüllt, mir ist unvorstellbar wie gestern laut den Schwestern noch mehr Leute da gewesen sein können. Während dem langen Gottesdienst bin ich mehrmals eingenickt;( einmal bin ich entgeistert/verwirrt aufgewacht, als ich hörte, dass keinen Meter von mir ein Kind einfach auf den Boden pinkelt. Da stand es nun, pinkelt auf seine halbvolle Chipstüte am Boden und die Eltern und anderen Leute drumherum stört es nicht.)

Die Straße wurde nun endlich zum Teil zementiert. Nur langsam und Stück für Stück geht es vor sich. Es wird in der Mitte begonnen und nur eine Straßenseite gemacht, der Zementbelag liegt nackt, mit dem Straßenrand nicht auf einer Höhe und wie ein Spielzeugblock auf dem Feldweg. Demnächst soll die Straße offiziell gesperrt und richtig fertiggestellt werden. Mich wundert, dass der Zementblock –also eine Fahrbahn- nicht breiter als 1,50 sein wird….

Ein paar Erlebnisse der letzten Wochen:

Mir ist nach einem Gespräch mit einem Jugendlichen aus der Nachbarschaft aufgefallen, wie oft schon leute „thank you for the talk“ zu mir gesagt haben…Es liegt vielleicht daran, dass man trotz „hey my friend“ und „hey joe, give me money“ doch noch ein respektvolles Bild von den weißen Westlern hat.

Außerdem wurde ich ca. 10mal in den letzten paar wochen ernsthaft gefragt, was man am besten unternimmt, wenn man in Dtl arbeiten will, sogar ob ich Freunde habe, die eine Frau suchen. Der Gedanke die Familie hinter sich zu lassen um besseres Geld zu verdienen scheint in vielen Köpfen zu sitzen.

Zwei Taufen habe ich miterlebt. Eine von einfachen Leuten. „Lechon baboy“ (Spanferkel) und Cola gab es trotzdem, einige Gäste waren im Gottesdienst. Nach dem Essen verschwinden die Gäste. Die etwas wohlhabenderen Nachbarn feiern ihre Hochzeit im Hotel. Alle werden in den Gottesdienst eingeladen, doch nur ich, ein Onkel und die Taufpaten kommen in die Kirche. Die Feier wird begeleitet von Videoke, bietet ein Buffet und wird von den gegenstandslosen Dankes- und Glückwunschreden zur reinen Feier für Erwachsene degradiert. Das Kind steht nicht im Vordergrund, das Essen, Singen und das Trinken danach sind wichtig.

Geschenke zu Weihnachten: Die Schwestern geben einen trockenen Bananenkuchen, bei dessen zu Bereitung ich viel mitgeholfen habe, an ihre Spender. Manche bekommen auch ein „daily gospel“-Buch. In der Gemeinschaft wird sich gegenseitig gewichtelt (ich bin auch dabei). Das Besondere ist, dass man auf einen Zettel an der Pinnwand seinen Wunsch schreibt und der Preis des Geschenks von allen vorher festgelegt wird. Unter allen die in der Schule(ich inklusive) oder im SPCC arbeiten wird es genauso gemacht. Mich hat überrascht, dass ab und zu „cash“ als Wunsch eingetragen wird. Die Geschichte ist so profan und hat wirklich kaum persönliche Dimension.

Meine Weihnachtsferien beginnen am Sonntag. Ich werde wohl am 24.Dec oder 25. mit der Fähre nach auf Leyte(andere Insel) fahren und damit der Einladung von der Gastfamilie meines philippinischen Freundes folgen (Leider ist es mit den terminen und Schiffsverbindungen ein Chaos, das zu täglich Planänderungen/ updates zwingt). Diese Familie hat drei Erwachsene Kinder (alle über 25) und ist so extrem gastfreundlich….das zeigt sich auch darin, dass ich ihre „boarding students“ als weitere Familienmitglieder gehalten habe. Einer dieser „boarding students“ hat schon immer so auf schwul gemacht und ich dachte es wäre seine Art Witze zu machen. Ist es aber nicht. Ich habe gemerkt, dass es eigentlich überhaupt nicht komisch ist mit ihm umzugehen. Allerdings ist er wohl eine Ausnahme. Auf den Philippinen gibt es viele Schwule und die meisten sind so tuntig. Sie reden mit einer so hohen, quickenden Stimme, lassen sich nur mit „Schwester“ anreden und ziehen sich so professionell wie Weiber an, dass man sich auf den ersten Blick nicht als „bakla“ oder „bayut“ erkennt.

Auf Leyte werde ich ca. 5 Tage bleiben, ich freue mich auf die Zeit. Silvester werde ich erst bis um kurz nach zwölf mit den Schwestern und dann mit meinen Nachbarn feiern. Im neuen Jahr werde ich evtl einen neukennengelernten Pater besuchen. Ansonsten ändern sich alle weiteren Verabredungen wieder ständig, werden mir abgesagt bzw verschoben oder nicht konkretisiert. Die Schwestern sagen mir, dass „ihr Weihnachten“ der Abend der 24. ist und ich davor und danach verreisen soll, weil auch drei der sechs Schwestern Urlaub haben. Zudem lässt mich die Undankbarkeit bzw Gleichgültigkeit für die deutschen Süßigkeiten, die ich ausschließlich mit ihnen teile (ich setze auch öfters an dt. Bräuche zu erklären, spüre aber kein Interesse), befürchten, dass Herzlichkeit untereinander bzw mir gegenüber auch an Weihnachten Mangelware sein wird. Arbeit gibt es keine. Ich bin etwas enttäuscht darüber, dass mir keine Wahl bzgl der Arbeit bleibt, denn 2 Wochen sind mir viel zu viel, wenn ich sie nicht ausnutzen kann.

Nun möchte ich zum Schluss nochmal auf die Links auf der linken Seite hinweisen. Wer sich bei Flickr.de mit einer Yahoo Live-Id anmeldet und mich als Freund auf Flickr addet, der kann auch "private Fotos" von der Wohngegend hier, Mitarbeitern und meinem Apartment sehen (solche Fotos sollen auch nach dem Vertrag über meinen Einsatz nicht öffentlich gemacht werden. man kann auch schlecht abschätzen, in wiefern sich die Leute hier damit wohl fühlen). Das Anmelden dauert nicht länger als fünf Minuten.

Ich hoffe die schlechten Nachrichten aus Kopenhagen über die Sturheit unserer Menschheit trüben euren Advent nicht (seid ihr Bürger von Hopenhagen, sagt tcktcktck und unterzeichnet schön viele Petitionen?!Ich schon) und Euch geht es allen gut. Stresst euch und andere nicht.

 

Bis bald und ganz liebe, adventliche Grüße;

Max

 

17.12.09 15:22, kommentieren

Urduja und sinnlose Arbeiten an unserem Matschweg

„Wieso schaut die Lunge eines Schweines eigentlich wie die eines leichten Rauchers aus?“ Das hab ich mich letztens gefragt als ich die Schweinelunge gesehen hab, die es dann später zum Essen gab: Luftröhre entfernt, Lungenflügel klein geschnitten und mit Zwiebeln und Karotten und viel Öl gebraten. Hätte ich nicht bereits gewusst was es ich esse, wäre es wohl nicht als etwas Besonderes aufgefallen. „bijos“ schaut eben aus wie Leber und schmeckt wie normales Schweinefleisch.

Mitte November und der Weihnachtsbaum steht. Man sieht nicht nur in der Straße viele Frauen von kleinen Sari-Sari-Stores o.a. mit der Herstellung von Dekoration beschäftigt, sondern es zeigen inzwischen viele Häuser bereits das volle Programm an Weihnachtsdeko: Plastiksterne, Plastiktannenzapfen, Plastikchristbäume, Plastiktannenzweige, Plastikmistelzweige, Plastikweihnachtskränze und Lichterketten in den tollsten Farbkombinationen….bis auf die Lichterketten, ist der Konvent der Schwestern seit einer Woche ebenso geschmückt.

Ganz vorbei ist die Taifunsaison noch nicht: Letztes Wochenende, auf einem Ausflug mit unseren CRAs (Freiwillige Helfer für das SPCC) zu einem Strandresort hat sich das Tiefdruckgebiet „Urduja“  schon etwas angekündigt. Während ich schnorcheln war, wurde es immer dunkler. Dann stiegen die Wellen, Wind kam auf und es hat richtig heftig geschüttet. Ich hatte wohl Glück, dass die Wellen (Wellenlänge nicht größer als 2m) noch zurück zum Resort gerichtet waren. An diesem Tag hab ich mir übrigens einen mächtigen Sonnenbrand am Rücken geholt, obwohl es keinen Sonnenschein gab…

Richtig ausdauernd hat sich das Tiefdruckgebiet aber es am Dienstag gegeben. Es hat nachts schon angefangen zu regnen und nicht mehr aufgehört bis spät abends. Für Cebu wurde Strum/Taifun-warnstufe 1 ausgerufen, deswegen waren auch alle Schulen geschlossen. Im Konvent der Schwestern, steht ein Büro seit Neustem nach jedem Regen unter Wasser und während des langen Regens gestern, hat es sogar in Kaufhäusern von der Decke getropft.

Die Straße zum Konvent der Schwestern war und ist nur noch zentimeterhoher Matsch.

Alles was die Leute dort bislang ausgehoben und geebnet haben, ist jetzt endgültig für die Katz. Vorerst war eine Seite gesperrt und diese wurde ausgehoben – allerdings die ganze Länge der Straße. Inzwischen ist alles wieder soweit abgesackt (Tricycadfahrer fahren lieber auf dem geebneten Stück und reißen immer ein ganzes Stück Erde von der Kante zum ausgehobenen Teil ab)und mit Pfützen übersät, dass es keinen Unterschied zum Zustand von vor 3Wochen gibt…. Bei so unklugem Vorgehen sind die Bauarbeiter noch länger hier als ich.

Heute wurde ich während meiner Arbeit im Einsatzgebiet des SPCC zur Taufe eines Klienten eingeladen. Es handelt sich um ein Kind, das von den Eltern verlassen wurde. Auf die Einladung von Seiten der Großeltern folgt die Frage nach meinem kompletten Namen. Das Kind soll nun auch einen Teil von „Peter Maximilian“ als Namen tragen. Daraufhin werde ich gefragt, ob ich nicht Patenonkel sein möchte. Ist erst einmal erklärt warum das nicht geht, kommt die für die Großeltern des Kindes logische Frage:“ Und willst du nicht Unterstützer für das Kind sein? Du kannst doch trotzdem immer Geld aus Deutschland schicken und später wieder hierherkommen“………

Erwähnenswert zu meiner Arbeit in der Wohngegend unserer Klienten ist noch, dass wirklich nichts mit in der Hinsicht gebaut wurde, dass es auch Menschen gibt die größer als 1,6m sind. So stoße ich mir regelmäßig den Kopf, sobald ich nicht als auf meiner Augenhöhe genau im Blick behalte. Alle Filipinos in der Nähe amüsiert es wirklich wenn da ein weißer die ganze Zeit stark gebügt zwischen den enge Häusern sich seinen Weg sucht. Besonders schwer ist es für mich wenn ich dann auch noch mit Regenschirm unterwegs bin....

1 Kommentar 28.2.05 17:13, kommentieren

Die Kordilleren und „Ein Stück Hoffnung

„Kurze“ Fortsetzung meines Reiseberichts:

Hoffentlich habt ihr bereits die Fotos angeschaut. Alle Bilder, die nach Oktober hochgeladen wurden und mit Strand sind, zeigen den 100Isalnd Nationalpark. Wir hatten super Wetter, aber mit dem Tauchen wurde leider aufgrund von schlechter Sicht nichts.

Baguio, die nächste Station auf meiner Reise, gehört schon zur Gebirgskette der Kordilleren und ist angenehm kühler. Baguio ist touristisch und  bekannt für das viele Gemüse, das von dort kommt und nicht nur auf ganz Luzon (die größte Insel der Philippinen)verkauft. Die Gemüseernte wurde aber durch die Taifune/Überschwemmungen zerstört. Auf der Fahrt nach Baguio hat man schon die Hinterlassenschaften einiger Erdrutsche gesehen. Trotzdem ist der Bus so halsbrecherisch gefahren, dass man bei all den vorstehenden Felsen an der Straße, die mit ca. 10 cm Distanz passiert werden, seinen Kopf vorsichtshalber nicht aus dem Fenster hält.

Von Baguio aus sind die Straßen noch weniger ausgebaut und durch Erdrutsche wirklich beschädigt. Die Busse fahren deswegen aber nicht langsamer. Sitzt man mehr in der Mitte, dann verschwindet rechts der Straßenrand für den Rest der Fahrt und man hat oft das Gefühl, die Seite müsste schon längst in der Luft stehen. Nach ein paar Stunden hat man vom Hin- und Hergeschleuder auf den Schotterpisten dann Rückenschmerzen, der Hintern tut weh und die erste Pause zum Wechsel des geplatzten Reifens findet statt (keine 8Minuten oder ein besonderer Vorfall).

In Bontoc haben wir tagsdrauf eine Wanderung zu den Reisterrassen gemacht, die zu dem Zeitpunkt leider schon braun waren und nicht mehr grün leuchteten. Außerdem gab es dort ein sehr gutes Museum zum Leben und Arbeiten der Bergvölker.

Sagada liegt eine holprige  Busstunde weiter. Dort gibt es viele Höhlen- z.T. auch gefüllt mit Särgen - und man kann noch die Holzsärge sehen, die von den Bergvölkern an die Felswände gehängt werden. Gerade an und um Allerheiligen – wir waren zwei Tage davor da- lebt der Begräbniskult hier voll auf. Die Friedhöfe werden gereinigt und man feiert dort. In Sagada speziell gibt es noch viele Lagerfeuer. Diese konnte man auch schon riechen als wir da waren. In Sagada werden viele Websachen für die Touristen in Baguio hergestellt. Bei der Besichtigung einer Werkstatt hat man gesehen wie ehrlich und fleißig die Frauen arbeiten. Ich habe mir eine weinrote Umhängetasche gekauft. In der Umgebung gibt es einen Berg, von dem aus man auf umliegende Reisterrassen blicken kann. Eine herrliche Aussicht! Wie überall in den Bergen, wird es dort innerhalb von 20Minuten dunkel und es war sehr gut, dass ich meine Taschenlampe für die Höhlen einstecken hatte. Nachts wird es pervers kalt – v.a. wenn man eine Glatze hat J

Von Sagada zurück zu den Freiwilligen bei den Hundred Islands fährt man länger als von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

 

Am Donnerstag hab ich Bekanntschaft mit der Gründerin der „Ein-Stück-Hoffnung“-Stiftung gemacht, welche die Arbeit des Prof. Dr. Rev. Heinz Kulüke („Kondompater&ldquo unterstützt. Die Website ist sicher einen Blick wert: http://www.ein-stueck-hoffnung.de/front_content.php?idcat=4

 

Gestern war ich nach meiner Arbeit Badminton spielen. Anschließend war ich zur Gastfamilie von meinem philipp. Freund aus Dtl., Teddy, eingeladen. Dort gab es wieder viel und wirklich leckeres Essen. Teddy hat mir dann noch allerlei Geschichten erzählt, so dass es wirklich spät wurde. Meinen Tag heute, wollte ich eigentlich mal nur zum Entspannen nutzen. 2,5 Stunden Wäsche waschen und 2 Mal mit den Schwestern Beten bzw. Gottesdienst, sich mit Nachbarn festquatschen und einen Bericht schreiben….dann hat man seinen Tag schon wieder voll und kaum mehr Stimmung zu lesen.

Ich bin gespannt was die nächste Woche so bringt. Ich werde evtl andere dt. Freiwillige in Cebu treffen. V.a. aber hoffe ich, dass ich nächste Woche noch viel beim SPCC beschäftigt bin und nicht verzweifelt nach kleinen Arbeiten suche, die mit „Arbeit/Hilfe für die Kinder“ nicht viel zu tun haben. Ich habe nun ein paar Fälle „komplett“ übernommen. Diese sind führen aber viel in Sackgassen und füllen keinen ganzen Arbeitstag aus.

15.11.09 14:18, kommentieren

Mein freier Donnerstag und Eindrücke aus Manila

Während der Monate, in denen ich beim SPCC arbeite, habe ich nun Donnerstag statt Samstag meinen freien Tag, weil samstags immer größere Aktivitäten mit unseren Child Rights Advocates (CRA) stattfinden. So hatte ich heute die Möglichkeit meinen Tag frei zu gestalten und bin früh morgens mit einem Bruder und einem Pfarrer von den Steiler Missionaren zu einem ihrer Siedlungsprojekte gefahren. Nachdem die neu gebildeten Häuser geweiht worden sind, gab es natürlich ein zweites Frühstück…

Das Project hat eigentlich mehr mit Community Building zu tun als mit dem Bau von Häusern. So ist es eine langwierige Arbeit die Gemeinschaft der dort lebenden Fischer auf komplett eigene Beine zu stellen. Da das Fischen nicht als einziges Einkommen genügt – und wie kaum einer bemerkt, Fischen wegen der Überfischung, Verschmutzung der Meere mit Plastik, etc. und wegen des Fortschritts der Technik nichts Nachhaltiges ist - werden andere Wege gesucht: Z.B.: Die Fischer haben bislang Danggit (ein kleiner Fisch, den es fast nur bei Cebu gibt) immer an Mittelmänner verkauft, die ihn dann ausgenommen, getrocknet und zum Verkauf weitergegeben haben. Jetzt übernehmen die Fischerfrauen das Ausnehmen und Trocknen und der getrocknete Danggit bringt deutlich mehr Geld für die Gemeinschaft herein als der frisch gefangene Danggit.

Nur: Wie sehr freuen sich die Mittelmänner darüber, dass die ehemaligen Lieferanten nun in nicht eigens gebauten/finanzierten Haeusern leben und Danggit selbst verarbeiten??!

 

Ich habe auch einen Einblick gewonnen, wie hier Baumaterialien eingekauft werden. Man geht in einen sauberen Laden an der Hauptstraße, gibt eine Bestellung auf, bezahlt und faehrt dann mit einem Truck ein paar Straßen weiter. Dort stehen riesige Lagerhallen und davor sind viele große Autos, Anhaenger, etc. von anderen Kunden, die auch alle Materialien abholen wollen und auf anarchistische Weise mit ihren Wendemanövern die Straße für eine Minute blockieren. Dazwischen sieht man viele ungepflegte Männer –die arbeitenden mit langer Kleidung zum Schutz gegen die Sonne und vor Verletzungen, die faulen Männer ohne Oberteil-, welche große Rollen mit Stahl auf Ladeflächen schmeißen oder Spanplatten und Wellbleche auf dem Kopf tragen.

Bei der Hitze, dem Staub, Chaos und Dreck, ist das keine Angelegenheit, die man einer ungeduldigen Person auftragen sollte…

 

Als ich heute zum Abendessen in den Convent der Schwestern gelaufen bin, war ich wirklich überrascht, welchen Fortschritt es beim Bau der Straße im Moment gibt. Die Sache ist leicht erklärt: Sobald die von der Regierung angestellten Bauarbeiter mit ihren Gerätschaften Feierabend machen, übernehmen die Bewohner der umliegenden Gegenden sofort mit ihren Brechstangen etc. und reißen die Straße weiter auf. Losgelöstes Steinmaterial wird dann sofort von unzählig vielen Frauen und Kindern eingesammelt und nachhause gebracht. Um einen Jungen oder Mann, der dort also illegal die Straße aufreißt, stehen im Durchschnitt 8 Leute, die das Material entwenden wollen. So befinden sich auch bei Dunkelheit noch sehr viele Leute auf der Straße und schleppen schwere Säcke und Plastiktüten davon bzw. kommen mit leeren wieder.

 

Nun ein paar Eindrücke aus Manila:

15 Millionen Einwohner und alle Gruppen auf der Wohlstandsskala sind gut vertreten.

Man sieht einige teure Jeeps mit LCD-Monitoren und verdunkelten Scheiben, aber natürlich gibt’s am Straßenrand genügend Bettler. Die extreme Armut befindet sich weiter außerhalb- wie in Cebu bei den Müllkippen-, aber Hütten aus Wellblech oder mit Plastikplanen gibt es überall in Manila.

Die Stadt ist noch lauter als Cebu. Das liegt zum Teil an den viele Bussen, die nicht nur dem Anschein nach kaputte Auspuffe haben, sondern auch andauernd hupen (ungefähr so dröhnend wie eine Schiffshupe). Beim Busfahren ist mir noch etwas aufgefallen:

Die Busfahrer fahren an, verlieren während des Schaltens an Impuls und wenn dann der zweite Gang drinnen ist, merkt das der Fahrgast, insofern, dass der Bus auf einmal nach vorne prescht. Bei diesem Rückstoß muss man wirklich auf seinen trägen Kopf und Rücken aufpassen….

Manila ist außerdem bekannt für seine riesigen Malls, ich war bewusst in keiner.

Intramuros ist das Viertel, in welchem die spanischen Kolonialherren lebten. Hinter den noch vorhandenen Mauern, sieht man wirklich noch Häuser, die an Spanien erinnern, es fehlen hier die ganzen Tricycle- Fahrer, aber dafür gibt es dort viele Kutschen und zahlreiche Kirchen und Museen.

Der chinesische Friedhof ist auch sehr interessant, aber für Westler absurd pompös zugleich. Die Römer kommen mit ihren Mausoleen, etc. niemals an den Verstorbenenkult der Philippinos, welcher sich ja an Allerheiligen präsentiert hat, heran und auch den Bauten der reichen Chinesen für ihre Verstorbenen mit WC, Gästezimmer und Küche steht der Westen hinterher.

 

1 Kommentar 12.11.09 15:48, kommentieren

Nach Glatze bei Kerzenschein, kommt Abendessen bei Kerzenschein

Ganz geordnet sind die hochgeladenen Fotos von meinem Urlaub noch nicht und eine Beschreibung der bereisten Orte und meiner Erlebnisse hab ich auch noch nicht geschrieben. Ihr könnt aber alle mal über den Link auf der linken Seite von meinem blog Fotos anschauen.

 

Wie die Überschrift schon verrät, hatten wir heute mal wieder eine halbe Stunde Stromausfall- und das während ich gerade zu Abend gegessen habe. Eigentlich sehr romantisch und nur erwähnenswert, weil es der dritte Tag in Folge ist, dass wir abends Stromausfall haben.

 

Seitdem ich wieder aus dem Urlaub zurück bin, kann ich mir nun jeden Tag die Entwicklung der Bauarbeiten in meiner Straße angucken. Fortschritte gibt es nicht wirklich. Eine Straßenseite –d.h. knapp 1,5m- werden aufgerissen um geebnet zu werden. Es herrscht ein Chaos mit all den Fußgängern, den wenigen Taxis und den so zahlreichen Straßenhunden und Tricycads. Die aufgerissenen Straßenteile sammeln sich bei Regen komplett mit Wasser und sehen deswegen nun genauso wie zuvor. Die Pfützen bleiben stehen und werden letztendlich zu großen Schlaglöchern. Wenn die wenigen Teile der Straße mit Stein oder Betoneinfahrten, die bis auf die Straße gehen, aufgerissen werden, dann sammeln sich viele Kinder und Frauen um die Arbeiter. Sie sammeln hektisch das schwere Material mit !Plastiktüten! auf und bringen es zu ihren Hütten….

 

Meine Arbeit beim SPCC in diesem Monat hat nicht ganz einfach angefangen. Schwestern aus Manila haben erzählt ich hätte zu Ihnen gesagt, dass ich bei SPCC nix arbeite. Das habe ich sicher nie so gesagt, sondern es war wohl eher Teil einer Beschreibung eines typischen Arbeitstages an dem ich nun eben – im letzten Monat- auch mal für eine Viertelstunde nix zu tun hatte. Das gab dann halt Ärger mit den hiesigen Schwestern vom SPCC. Inzwischen habe ich aber mehr Arbeit übertragen bekommen und es passt eigtl wieder alles. Es kommen außerdem interessante Aktivitäten und Veranstaltungen in diesem Monat. Die letzten Tage hab ich fast ausnahmslos das Layout für unseren Newsletter gemacht und bin den anderen wegen Artikeln und Fotos hinterhergelaufen.

 

Meine Erkältung geht langsam weg. Langsam wächst auch mein Kopfhaar. Sehr langsam und doch nicht komplett ist ein schwarzer Ölfleck aus meiner hellen Hose gegangen. Den habe ich mir beim Ausstrecken meiner Beine im Jeepney geholt. Ich habe alles in allem mehr als drei Stunden an drei Tagen damit verbracht mit allen möglichen Waschmitteln, Benzin, etc. den Fleck zu entfernen. Leider hat sicher der Fleck durch das Reiben des Stoffs gegen Stoff noch auf andere Ecken ausgebreitet…..

 

Sobald ich mal eine freie Stunde finde, werde ich wie angekündigt noch etwas über meine Reisestationen berichten.

3 Kommentare 10.11.09 16:38, kommentieren

Drei erfahrungs- und erlebnisreiche Wochen

Es ist nun eine Weile her, dass ich endlich mal wieder schreibe. Grund: Urlaub und kein Internet vor und nach dem Urlaub.

 

Zurzeit bin ich ordentlich erkältet und arbeite nun wieder im SPCC  (Salvatorian Pastoral Care for Children).

Mein Urlaub hat am 23.Oktober begonnen und ich bin erst Dienstag früh morgens zurückgekehrt. Ich war an vielen verschieden Orten –jeweils nicht länger als 2Tage- und habe viele Leute getroffen. Ich bin erst nach Manila geflogen und bin von dort aus mit dem Bus weiter nördlich gefahren, wo ich zwei dt. Freiwillige, die ich von einem Asienseminar kenne, besucht habe. Gemeinsam haben wir einen Insel-Nationalpark in der Nähe besucht und sind dann zusammen per Bus weitergereist. Nach Baguio, eine Großstadt in den Kordilleren (so heißt das Zentralgebirge auf der philipp. Hauptinsel Luzon) und von dort aus nach Bontoc (in der Nähe der Reisterassen, außerdem Standort eines guten Museums über die Eingeborenen). Von Bontoc per Jeepney nach Sagada (dort gibt es neben Reisterassen viele Höhlen und die sog. „hängende Särge&ldquo. Von Sagada sind wir wieder zurück zum Basislager der zwei Freiwilligen. Zwei salvatorianische Schwestern, die in der Nähe leben und arbeiten, konnte ich so auch noch besuchen, bevor es nachts wieder alleine nach Manila weiter ging. Dort hab ich eineinhalb Tage mit den slavatorianischen Padres verbracht und bin dann von den salvatorianischen Schwestern aus zurück nach Cebu geflogen.

 

Sobald ich wieder länger anhaltendes Internet habe (atm ist die Verbindung alle fünf Minuten für ungewisse Zeit weg), werde ich die einzelnen Station nochmal genauer beschreiben und irgendwie Fotos hochladen. Insgesamt, war mein Reise nicht sehr entspannend, weil ich sechsmal über 6 Stunden Bus fahren musste und dann hat man ja auch noch Anreise und Abreise mit dem Flugzeug….Naja mit geplatzten Reifen und verschütteten Straßen, habe ich auch was erlebt- bald mehr!

 

Bevor ich meine Reise angetreten habe, gab es sehr viele Vorbereitungen zu treffen. Nebenbei bin ich während eines Stromausfalls und kurz vor Dunkelheit zum Friseur gegangen um mir eine „upaw“ bzw „kalbaw“ schneiden zu lassen. Es hat eine Weile gedauert, bis der Friseur endlich begonnen hat mir mit seiner Schwere eine GLATZE zu schneiden, weil sein Rasierapparat ja –genauso wie alle Ventilatoren- nicht funktioniert hat. Das Kerzenlicht von drei Kerzen war im allerdings nicht genug um es durchzuziehen, so habe ich dann ein bisschen mitgeholfen und irgendwann waren die Haare auch so kurz, dass er mit einer Rasierklinge (!) den Kahlschnitt fertigstellen konnte. Als der Strom mit kurzem Lichtflackern der Hallogenröhre wiedergekehrt ist, hab ich nur weiß gesehen….Mein Kopfhaut ist richtig weiß und wie ich herausgefunden habe auch sehr empfindlich. Alles in allem gefällt mir der Schnitt und dieser Friseurtermin mit Rasierklinge und Kerzenschein war ein wirkliches Erlebnis.

 

Vor meinem Urlaub hatten wir auch Wandertag mit dem Kindergarten. Davon macht ihr euch jetzt wahrscheinlich ein falsches Bild: „Wir“ das sind alle fünf Klassen mit Lehrern und Schwestern und mindestens einem Elternteil des Kindergartenkindes. Gewandert sind wir nicht. Wir sind mit klimatisierten Bussen zu vier Stationen gefahren: Crocolandia (außer Krokodilen gab es noch deutlich mehr Tiere zu sehen), dann Ecohouse (ein klimafreundliches Haus, bei dem auch (organischer) Müll für die Herstellung von Möbeln (und Kompost) verwendet wird) , dann zu einem alten Flughafen und dann zum Aquarium. Bei den Eintrittsgeldern und dem Essen, das alle mitgeschleppt haben, war es ein teurer Tag für alle Teilnehmenden und er stellt die absolute, freudenreiche Ausnahme im Alltag der meisten Familien dar.

Meine Arbeit im Kindergarten hat nun zuletzt hauptsächlich bedeutet, dass ich erst mit in die Klassen gehe und dort versuche mich hilfreich zu machen. Sobald es dort nichts zu tun gibt, hab ich dann immer Unterrichtsmaterialien vorbereitet. D.h. ca. vier Stunden am Tag Bücher oder Schaubilder mit Plastikfolie einbinden….

hoffentlich bleibt das nicht meine Hauptaufgabe im Kindergarten.

 

Bis bald, ich freue mich über alle Emails von Euch und würde sofern es geht auch gern mal wieder mit Euch skypen!

1 Kommentar 4.11.09 23:12, kommentieren

“ Christmas starts when the „ber“ is already there “

 

Ber steht für das Suffix „ber“ bei den Monaten September, Oktober, November und Dezember. Soll heißen: Am 1.September haben mir die ersten Leute schon frohe Weihnachten gewünscht – ich habe das mehr für einen Joke gehalten-, letzte Woche verabschieden sich die Schwestern von ihren Gastgebern mit dem Satz „Merry Christmas and have a happy new year“ und ich höre in den Kaufhäusern bereits Jingle Bells, Rudoplh the rednoses…, santa claus is coming… Getoppt wurde das davon, dass seit Mittwoch der Vorhof zum Apartment stets hell erleuchtet ist von der grün, blau und roten Weihnachtsbeleuchtung meiner direkten Nachbarn. Ihre Wohnung ist mit Tannenzapfen, zwei künstlichen, sich drehenden Bäumen, Lichterketten und Girlanden geschmückt. Der Vermieter musste daraufhin gleich nachziehen.

Nun gut, das passt wohl zur der großen Neigung der Philippinos alles groß zu feiern- bzw. für alles sich groß vorzubereiten. Komisch ist nur, dass Dauer und Intensivität der Feierlichkeiten in keiner Relation zu den Vorbereitungen/ Beschreibungen stehen (d.h.: viel weniger los als erwartet). Das ist bei den zahlreichen Fiestas der Kirchen hier nicht anders.

 

Zu so einem Fiesta war ich heute wieder eingeladen. Nachdem Gottesdienst gibt es dann eben was zu Essen- für die Gemeinde kleine Rationen gegen den Kauf eines Tickets, für die hohen Leute und speziellen Gäste ein kostenloses Buffet im abgesondertem Raum. Als so ein besonderer Gast mit Kontakt zum Priester durfte ich heute, nach dem Kardinal und Bischof sich mit einem Fotoshooting verabschiedet hatten, in einem klimatisierten, abgeschotteten Raum mit kleiner Band speisen. Alles hat wirklich mal super geschmeckt und es war sogar mal etwas scharf dabei, nur das Bewusstsein einer besseren Behandlung/Versorgung hat mir nicht so geschmeckt.

 

Gestern bin ich –nachdem die Verabredung mit dem Vater meiner Nachbarin zum Tauchen leider geplatzt ist- mit dem SVD- Superior Fr. Heinz aus Deutschland zu einem seiner Projekte auf die Müllkippe. Auf allen 4 Müllhalden in Cebu leben zusammen 5000 Menschen. Wer sich denkt, dass Unicef für seine Spendenaufrufe Fotos stellt, indem Sie ein vor Dreck und Ruß schwarzes und verkrüppeltes Kind zeigen, dass mitten im Müll sitzt, riesen Kulleraugen hat und nicht laufen kann: Nein, diese Fotos sind Realität für nicht Wenige!

Fr. Heinz ist Pragmatiker und sehr erfahren. Auf der Fahrt reden wir über andere Probleme hier in Cebu…zu viel um es hier zusammenzufassen. Erschrocken hat mich davon mit am meisten, wie hier die einfachen Leute in die Schuldenfalle geraten und sich ausbeuten lassen, weil sie keinen Weitblick und gleichzeitig viel Scham haben. Krass sind auch die Geschichten von den Straßenkindern, die mit zehn Jahren bereits gemordet haben, sich in Gangs zusammenschließen, andere Straßenkinder bekämpfen und quasi unzugänglich für Helfer sind. Sein Hinweis, dass das Problem der fehlenden Familienplanung und damit der Überbevölkerung genauso wie die omnipräsente Korruption zu Problemen meiner Generation gehören, hat mich kräftig schlucken lassen. Ohne konkrete Zahlen und Beispiele hört sich vieles so schön fern und unscheinbar an….

 

Mir geht’s gut. Es kommt immer mehr Routine bei mir herein. Die Arbeit im Kindergarten fällt mir leichter, ich habe qualitatives Essen (scharfes, wirklich asiatisches muss ich mir selber bereiten, z.b.: der Bicol Express, welcher nach zwei Stunden ein herrliches Sodbrennen schenkt) und ich freue mich auf meinen Urlaub in zwei Wochen. Es geht u.a. in die Gegend, in welcher diese Woche 200 Menschen von den Überschwemmungen bzw Erdrutschen getötet wurden….

Eine Person, mit der ich hier schon viel geredet habe und von der ich dachte, dass sie eine wirklich gute Ausbildung hat, war letztens überzeugt, dass Canada Nachbarland von Deutschland ist. Ich merke, dass ich den meisten Menschen intellektuell klar überlegen bin. Trotzdem lernt man auch auf der Straße…Bloß lernt man dort nicht über das Heute hinaus zudenken.

3 Kommentare 11.10.09 17:02, kommentieren